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Tötungsstationen in Rumänien

Tierschützer schlagen Alarm: „Dort werden Tiere gezüchtet, nur um sie später töten zu können“

Streuner in Rumänien: Tierschützer prangern die Missstände im Umgang mit Straßenhunden an.
Streuner in Rumänien: Tierschützer prangern die Missstände im Umgang mit Straßenhunden an. Getty Images
Erschütternde Recherchen werfen neue Fragen zum Umgang mit Straßenhunden in Rumänien auf. Welche Vorwürfe im Raum stehen und wie Tierschützer helfen.

Hinter den Debatten über Straßenhunde in Rumänien stehen Bilder, die schwer auszuhalten sind: überfüllte Zwinger, verletzte Tiere, fehlende Versorgung – und der Vorwurf, dass mit dem Einfangen und Töten von Hunden seit Jahren Geld verdient wird. Neue Recherchen zeigen, wie groß das Ausmaß des Problems offenbar ist – und warum der öffentliche Druck inzwischen wächst.

Besonders brisant ist der Verdacht, dass öffentliche Gelder ein System stützen, in dem Hundetötungen in Rumänien wirtschaftlich begünstigt werden. Laut der Boulevardzeitung „BILD“ berufen sich Tierschützerinnen und Tierschützer dabei auf Auswertungen staatlicher Ausgaben, Verträge, Verwaltungsunterlagen und einen parlamentarischen Bericht der rumänischen Abgeordneten Aurora Tasica Simu. Demnach sollen massive Missstände wie fehlende Kontrollen, falsche Abrechnungen und Korruption ein System begünstigen, in dem das Einfangen und Töten von Straßenhunden zum Geschäftsmodell geworden ist.

Hundetötungen in Rumänien: Warum das System so umstritten ist

In Rumänien leben den Berichten zufolge schätzungsweise rund 600.000 Straßenhunde. Grundlage des heutigen Vorgehens ist ein Gesetz von 2013, das Kommunen erlaubt, streunende Hunde einzufangen und nach 14 Tagen töten zu lassen, wenn sie nicht adoptiert werden. Tierschutzorganisationen kritisieren seit Jahren, dass davon nicht nur schwer vermittelbare Tiere betroffen seien, sondern auch junge, zutrauliche und grundsätzlich vermittelbare Hunde.

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Laut der Tierschutzorganisation PETA wurden zwischen 2001 und 2025 rund 2,76 Millionen Hunde eingefangen – etwa 1,285 Millionen starben.

Besonders heftig ist die Kritik an privaten Tötungsstationen. Aktivist und Influencer Nathan Goldblat sagte zu „BILD“: „Wäre das gleiche Geld in flächendeckende Kastrationen geflossen, wäre das Problem längst gelöst – ohne dass ein einziger Hund hätte sterben müssen.“ 

Den Angaben zufolge sollen in den vergangenen drei Jahren rund 70.000 Tiere eingeschläfert worden sein. In einer privaten Einrichtung habe die Euthanasierate laut rumänischem Veterinäramt sogar bei 81 Prozent gelegen.

Doku auf Joyn macht neue Vorwürfe öffentlich

Neue Aufmerksamkeit bekommt das Thema auch durch die Investigativ-Dokumentation „Die Hunde-Mafia: How to kill a puppy & get rich“ (am 15. April auf ProSieben zu sehen, seit dem 8. April auf Joyn verfügbar). Darin geht es nicht nur um das massenhafte Töten von Straßenhunden, sondern auch um den schweren Vorwurf, dass an manchen Stationen sogar Welpen gezüchtet würden, um später mit ihrem Tod Profit zu machen.

PETA-Funktionärin Jana Hoger erklärt in der Doku: „Die Hunde werden vergiftet, teilweise erschlagen oder lebendig verbrannt, auf die einfachste und billigste Weise – vor den Augen der anderen Hunde.“ Die rumänische Tierärztin und Stadträtin Emma Stratulat kommt ebenfalls zu Wort: „Es gibt eine weitere Horror-Tötungsstation. Dort werden Tiere gezüchtet, nur um sie später töten zu können.“ Nathan Goldblat erklärt: „Das ist eine Geldruckmaschine. Und keiner, bis in die Politik, ist bereit, das zu verändern, weil alle mitverdienen.“

Ermittlungen, Schließungen und wachsender Druck

Der Fall bleibt nicht ohne Folgen. Wie die „Rheinische Post“ schreibt, wurde bereits Mitte Februar eine private Tötungsstation durch die Nationale Veterinärbehörde geschlossen, nachdem dem Team um Nathan Goldblat Videobeweise zugespielt worden waren. Mehr als 200 Tiere wurden demnach verlegt, gegen den Betreiber wurde Anzeige erstattet.

Später soll auch die größte private Tierstation des Landes ins Visier der Behörden geraten sein. Jana Hoger sagte dazu laut der Zeitung: „Der heutige Tag war absolut historisch und bringt eine so große Veränderung für die Hunde in Rumänien.“

Streit um EU-Gelder und fehlende Kontrolle

Neben den Zuständen in den Einrichtungen sorgt vor allem die Finanzierung für Diskussionen. Der Vorwurf lautet, dass kommunale Mittel und indirekt auch EU-Subventionen Strukturen begünstigen könnten, in denen Hundetötungen in Rumänien wirtschaftlich attraktiv bleiben. Die EU weist das zurück und betont, es gebe keine Hinweise auf eine Finanzierung solcher Projekte. Tierschutzorganisationen halten dagegen, dass Mittel vor Ort womöglich zweckentfremdet würden und die Geldflüsse transparenter nachvollzogen werden müssten.

Für Tierschützerinnen und Tierschützer ist deshalb klar, dass es nicht nur um einzelne Schockbilder aus Tierheimen geht. Im Kern steht die Frage, warum ein Land mit einer so großen Zahl an Straßenhunden bis heute auf ein System setzt, das weder nachhaltig noch tierschutzgerecht ist.