65 Großmarktkatzen haben jetzt ein neues Zuhause – doch 22 sind spurlos verschwunden
,regionOfInterest=(685,496)&hash=98bd19ad3ddf18c5540f13bebdf8fe6bdcc9971c57d20fb06d168283b40b27a7)
Über Monate hinweg engagierten sich freiwillige Helferinnen und Helfer auf dem Kölner Großmarkt-Areal, um herrenlose Katzen einzufangen, medizinisch zu versorgen und zu vermitteln. „Dass wir schon so viele retten konnten, ist ein großer Erfolg, über den wir uns sehr freuen“, sagt Mania Leveringhaus. Die 31-Jährige startete im Mai des vergangenen Jahres gemeinsam mit dem Straßenkatzen Köln e. V. und dem Katzenschutzbund Köln das Projekt „Rettung der Großmarktkatzen“.
Warum die Katzen vom Großmarkt gerettet werden mussten
Hintergrund der Aktion: Ende 2025 endet der Betrieb des Großmarkts endgültig. Über eine lange Zeit wurden die Katzen von Händlern als natürliche Schädlingsbekämpfer gegen Ratten und Mäuse geduldet und genutzt. Mit der Schließung des Marktes wären die oft kranken, geschwächten und nicht versorgten Tiere sich selbst überlassen gewesen – mit der Folge von Verwahrlosung und möglicherweise einem langsamen Tod durch Hunger. Die Tierschützer rechneten zunächst mit mehr als 100 Katzen, die sich auf dem weitläufigen Gelände aufhielten.
Schwierige Suche nach einer Quarantänestation
Bis die Aktion richtig starten konnte, mussten die Beteiligten einige Hürden überwinden. Besonders problematisch war die Frage, wo die eingefangenen Tiere während der Quarantänezeit sicher und fachgerecht untergebracht werden könnten. Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Räumen bekamen sie von der Stadt Köln nicht.
Leveringhaus findet dafür klare Worte: „Es gab schon vor dem Start unseres Projektes einen bestätigten Fall von Katzenseuche, von dem die Stadt auch wusste. Von daher war ihr Verweis, die Katzen in Pflegeplätzen, Tierheimen oder Tierarztpraxen unterzubringen, völlig unsinnig.“
Über eine lange Phase hinweg fuhren die Ehrenamtlichen morgens und abends zum Großmarkt, legten Futter aus und gewöhnten die Tiere an feste Futterstellen, um sie später leichter sichern zu können. Mit dem eigentlichen Einfangen wurde aber erst begonnen, als ein fester Ort für die Quarantäne gefunden war. Eine zunächst ins Auge gefasste Zwischenlösung in einem Tierheim in der Nähe von Köln scheiterte schnell, weil dort neue Krankheitsfälle auftraten.
Leeres Bürohaus wird zur Katzen-Quarantäne
Nach langem Suchen ergab sich schließlich eine Chance: Die Initiative konnte ein ungenutztes Bürogebäude im Kölner Süden übernehmen. In Eigenarbeit und nach den Vorgaben der Veterinärbehörde bauten die Helferinnen und Helfer die Räume zu einer Quarantänestation um. „Wir sind dem Vermieter ungeheuer dankbar, dass er uns das ermöglicht hat“, so Leveringhaus.
In dieser provisorischen Station werden die Katzen nun medizinisch betreut, mit Futter versorgt und langsam an Menschen gewöhnt. Täglich kümmern sich Freiwillige um Reinigung, Hygiene, Fütterung, aber auch um Zuwendung und Spielphasen. „In Hochzeiten hatten wir hier 20 Katzen gleichzeitig, aber es hat gut geklappt“, erzählt Leveringhaus. Die Stadt übernimmt als zuständige Kommune zwar die Tierarztkosten, alle übrigen Ausgaben finanzieren die Tierschützer jedoch aus Spenden. Allein die monatliche Miete und Fixkosten für das Gebäude liegen bei rund 3.000 Euro.
Die meisten Großmarktkatzen haben ein neues Zuhause
Die intensive Arbeit hat Wirkung gezeigt: Für 65 der 72 eingefangenen Tiere konnten passende Plätze bei privaten Halterinnen und Haltern gefunden werden. „Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet, weil die Tiere frei auf dem Großmarkt gelebt hatten und sehr scheu waren. Aber in der Betreuung und durch den Menschenkontakt wurden sie erstaunlich zahm“, sagt Leveringhaus. Vier weitere Katzen konnten an betreute Auswilderungsplätze von Tierschutzvereinen abgegeben werden. In der Quarantänestation selbst befinden sich aktuell nur noch drei Tiere, die noch auf eine Vermittlung warten.
Von den neuen Familien erhalten die Ehrenamtlichen regelmäßig Rückmeldungen mit Fotos und kurzen Videos. Die Tierschützerin erzählt: „Das ist total rührend und schön zu sehen, dass die Katzen so schöne Zuhause mit liebevollen Menschen gefunden haben. Das zeigt, dass es sich gelohnt hat, nicht aufzugeben.“
22 Katzen bleiben unauffindbar
Dennoch hat das Projekt auch eine belastende Seite. „Es fehlen 22 Katzen, die immer regelmäßig an die Futterstellen kamen. Sie kommen nicht mehr, und wir wissen nicht, was mit ihnen passiert ist“, erklärt Leveringhaus. Die Ehrenamtlichen befürchten Schlimmes. „Dass sie abgewandert sind, ist eher unwahrscheinlich, wahrscheinlich sind sie tot. Darüber sind wir sehr traurig.“
Rettungsaktion kurz vor dem Abschluss – Blick auf weitere Tierarten
Ganz abgeschlossen ist der Einsatz noch nicht. Nach Einschätzung der Helferinnen und Helfer warten rund vier weitere Katzen darauf, eingefangen und versorgt zu werden, bevor auch für sie ein dauerhaftes Zuhause gesucht werden kann. Der Mietvertrag für die jetzige Quarantänestation endet Ende April, der Zeitplan ist daher knapp. Leveringhaus ist aber zuversichtlich: „Damit kommen wir gut hin, wir befinden uns im Endspurt.“
Auch nach dem Ende der Großmarktkatzen-Aktion wollen die Beteiligten ihr Engagement fortsetzen. Im Fokus stehen dann andere Tierarten, die auf dem Gelände leben und von den bevorstehenden Abrissarbeiten betroffen sein könnten – darunter Tauben, Schwalben und Fledermäuse. Im März wurde bereits Strafanzeige gegen einen ehemaligen Pächter gestellt, dem vorgeworfen wird, beim Abriss des Daches seiner Halle zahlreiche Tauben verletzt oder getötet zu haben.
Das Original zu diesem Beitrag "Herzzerreißende Aktion in Köln: 72 Katzen gerettet – doch 22 sind spurlos verschwunden" stammt von Kölner Express.
,regionOfInterest=(1091,772)&hash=20444e072c4edac5a404874544b8ae79d532b94c380e17f250fe3bea1ddecaf4)