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Beim Gassi genau hinschauen

Hund frisst Gras: Meist ist das harmlos – aber diese Warnzeichen solltest du kennen

Hund knabbert an Gras: Das muss nicht immer eine ernste Ursache haben.
Hund knabbert an Gras: Das muss nicht immer eine ernste Ursache haben. Getty Images
Viele Hunde knabbern unterwegs an Grashalmen. Problematisch wird es, wenn dein Hund hastig frisst, erbricht oder weitere Beschwerden zeigt.

Viele Halterinnen und Halter kennen die Situation: Beim Spaziergang bleibt der Hund plötzlich stehen und beginnt, an Grashalmen zu knabbern. Das wirkt auf den ersten Blick seltsam, ist aber meist kein Grund zur Sorge. Gelegentliches Grasfressen gehört bei vielen Hunden zum normalen Verhalten und kommt auch bei Tieren vor, die gesund sind und ausgewogen gefüttert werden.

Warum Hunde Gras fressen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es gibt zwar verschiedene Erklärungsansätze, doch keine davon konnte bisher eindeutig bewiesen werden. Auffällig ist: Manche Hunde knabbern nur gelegentlich ein paar Halme, andere fressen deutlich häufiger Gras. Entscheidend ist deshalb weniger das Verhalten an sich als vielmehr, wie oft es vorkommt, in welcher Menge der Hund Gras frisst und ob weitere Beschwerden dazukommen.

Hund frisst Gras: Welche Ursachen infrage kommen

Dass ein Hund Gras frisst, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Manche Tiere scheinen schlicht Geschmack daran zu finden. Selbst Hunde mit hochwertiger und ausgewogener Ernährung zeigen dieses Verhalten immer wieder, ohne dass ihnen etwas fehlt. Gerade bei Welpen und jungen Hunden kann außerdem Neugier eine Rolle spielen. Sie erkunden ihre Umgebung intensiv und übernehmen manche Verhaltensweisen möglicherweise auch von der Mutter.

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Daneben gibt es weitere Vermutungen, warum Hunde Gras fressen. Diskutiert werden unter anderem Verdauung, Stress, Langeweile, Durst oder ein möglicher Nährstoffmangel. Auch ein Zusammenhang mit Wurmbefall wird immer wieder vermutet. Sicher belegt ist davon jedoch wenig. Klar ist nur, dass Grasfressen allein noch kein Hinweis auf eine Krankheit sein muss.

In manchen Situationen wirkt das Knabbern an Grashalmen beruhigend. Kauen und Fressen können grundsätzlich entspannen. Deshalb ist es denkbar, dass Hunde in stressigen Momenten oder bei innerer Unruhe vermehrt Gras fressen. Ebenso kann Langeweile ein Auslöser sein, wenn der Hund körperlich oder geistig nicht ausreichend ausgelastet ist.

Ist es normal, wenn ein Hund Gras frisst?

In den meisten Fällen ja. Frisst ein Hund hin und wieder beim Spaziergang oder im Garten etwas Gras, ist das meist harmlos. Viele Tiere tun das gelegentlich, ohne danach Beschwerden zu zeigen. Solange dein Hund dabei nur kleine Mengen aufnimmt, sich normal verhält und keine weiteren Auffälligkeiten zeigt, besteht in der Regel kein akuter Handlungsbedarf.

Wichtig ist, das Verhalten im Zusammenhang zu betrachten. Ein Hund, der sonst munter ist, normal frisst, normalen Kot absetzt und nicht erbricht, zeigt mit gelegentlichem Grasfressen meist nur eine normale Verhaltensweise. Problematisch wird es eher dann, wenn aus gelegentlichem Knabbern ein auffälliges, hektisches oder massenhaftes Fressen wird.

Hund frisst Gras und erbricht: Wann du aufmerksam werden solltest

Viele Halterinnen und Halter beobachten, dass ihr Hund Gras frisst und danach erbricht. Einzelne Fälle müssen nicht sofort etwas Ernstes bedeuten. Trotzdem solltest du genauer hinschauen, wenn dein Hund große Mengen Gras aufnimmt, das Gras büschelweise ausreißt oder es hastig und ohne zu kauen herunterschluckt. Spätestens dann ist Aufmerksamkeit gefragt, wenn weitere Beschwerden hinzukommen.

Warnzeichen sind vor allem:

  • häufiges oder heftiges Erbrechen
  • Durchfall nach dem Grasfressen
  • Blut im Erbrochenen oder im Kot
  • schleimiger Kot
  • fehlender Kotabsatz
  • Fieber
  • Unruhe oder deutlich verändertes Verhalten
  • nachlassende Leistungsfähigkeit
     

Solche Anzeichen können auf ernsthafte Probleme im Magen-Darm-Trakt hinweisen. Dazu gehören Entzündungen oder im schlimmsten Fall ein Darmverschluss. Frisst dein Hund über mehrere Tage oder Wochen auffällig viel Gras, sollte das ebenfalls tierärztlich abgeklärt werden.

Hund frisst viel Gras: Diese Situationen sind besonders auffällig

Nicht jedes Grasfressen sieht gleich aus. Besonders auffällig ist es, wenn der Hund das Gras regelrecht in sich hineinschlingt, büschelweise ausrupft oder immer wieder in ähnlichen Situationen damit beginnt. Auch wenn dein Hund zusätzlich Erde frisst, unruhig wirkt oder sein normales Futter verweigert, ist das kein Verhalten, das du einfach ignorieren solltest.

Hilfreich ist es, das Verhalten eine Zeit lang zu beobachten und dir Notizen zu machen. Dazu gehören zum Beispiel die Frage, wie oft dein Hund Gras frisst, ob es bestimmte Auslöser gibt und ob danach Symptome auftreten. Solche Beobachtungen können bei der tierärztlichen Einschätzung sehr wichtig sein.

Lungenwürmer: Warum Grasfressen ein Risiko sein kann

Ein oft unterschätztes Risiko beim Grasfressen sind Lungenwürmer. Diese Parasiten verbringen einen Teil ihres Lebenszyklus in der Lunge des Hundes. Für ihre Entwicklung sind sie auf einen Zwischenwirt angewiesen, in diesem Fall auf Schnecken.

Frisst ein Hund Gras, auf dem sehr kleine Schnecken sitzen, kann er sich auf indirektem Weg infizieren. Die Larven gelangen dann zunächst in den Darm und wandern später in die Lunge. Dort entwickeln sie sich weiter und können das Lungengewebe schädigen.

Hinweise auf Lungenwürmer können sein:

  • Husten
  • Fieber
  • verminderte Belastbarkeit
  • Nasenbluten
  • neurologische Auffälligkeiten
  • Herz-Kreislauf-Probleme
     

Ein solcher Befall muss tierärztlich behandelt werden. Ohne Behandlung kann er schwer verlaufen.

Wenn Grashalme am After hängen

Weil Hunde Gras nur schlecht verdauen, kommt es oft nahezu unverändert wieder heraus. Dann können einzelne Halme oder ganze Bündel am After hängen bleiben. Das ist unangenehm für den Hund und führt nicht selten dazu, dass Halterinnen und Halter spontan helfen wollen.

Hier ist Vorsicht wichtig. Scharfkantige Gräser können die Schleimhaut verletzen. Ziehst du zu stark daran, kann das kleine Verletzungen an Enddarm und After verursachen. Lassen sich die Halme nicht mit ganz leichtem Zug entfernen, solltest du nicht weiterziehen. Dann ist es besser, eine Tierarztpraxis aufzusuchen.

Was hilft, wenn dein Hund ständig Gras frisst?

Wenn dein Hund häufig Gras frisst, sollte zuerst geprüft werden, ob eine körperliche Ursache dahintersteckt.  Wenn dein Hund ansonsten gesund wirkt und du den Graskonsum nur etwas reduzieren möchtest, kommen einfache Maßnahmen infrage. Dazu zählen eine häufigere Fütterung statt nur einer Mahlzeit am Tag, Wasserpausen auf längeren Spaziergängen oder eine genaue Prüfung, ob Stress oder Langeweile im Alltag eine Rolle spielen. Auch Heilerde-Zufütterung ist möglich.

Wo dein Hund besser kein Gras fressen sollte

Nicht jede Wiese ist für Hunde gleichermaßen geeignet. An manchen Orten ist Grasfressen mit zusätzlichen Risiken verbunden. Besonders vorsichtig solltest du in folgenden Bereichen sein:

  • am Straßenrand in Städten und an stark befahrenen Straßen
  • an Feldrändern
  • auf Flächen mit möglichem Kontakt zu Dünger oder Pflanzenschutzmitteln
  • in Bereichen mit giftigen Pflanzen
  • bei scharfkantigen Gräsern
     

Straßennahes Gras kann Schadstoffe aufnehmen. An Feldrändern können sich Rückstände von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln konzentrieren. Zudem besteht das Risiko, dass der Hund neben Gras auch andere Pflanzen aufnimmt, die unverträglich oder giftig sind. Aufmerksamkeit ist deshalb besonders beim Freilauf auf unbekannten Flächen wichtig.

Fazit: Hund frisst Gras – darauf kommt es im Alltag an

Entscheidend ist nicht, dass dein Hund überhaupt Gras frisst, sondern wie dieses Verhalten aussieht. Ein paar Halme beim Spaziergang sind meist harmlos. Frisst dein Hund jedoch auffällig viel Gras, verschluckt er ganze Büschel oder zeigt zusätzlich Beschwerden, solltest du das ernst nehmen.

Beobachte deinen Hund deshalb nicht nur in dem Moment, in dem er Gras frisst, sondern auch danach. Zeigt er Erbrechen, Durchfall, Unruhe, Husten oder Probleme beim Kotabsatz, gehört das abgeklärt. So lässt sich besser einschätzen, ob es sich noch um normales Verhalten handelt oder ob medizinische Ursachen dahinterstecken.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn Symptome anhalten, sich verschlimmern oder du unsicher bist, wende dich bitte an eine Tierarztpraxis.