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Leben retten

Erste Hilfe beim Hund: So reagierst du im Notfall bei Vergiftung, Verletzung & Co.

Erschien in Kooperation mit
Erste-Hilfe-Kurs für Hundebesitzer: Schnelles Handeln kann im Zweifel Leben retten.
Erste-Hilfe-Kurs für Hundebesitzer: Schnelles Handeln kann im Zweifel Leben retten. Getty Images
Dein Hund hat sich vergiftet, verletzt oder etwas verschluckt? Diese Notfall-Tipps helfen dir, schnell richtig zu reagieren – und im Zweifel Leben zu retten.

Eine Verletzung beim Spielen, ein verschlungener Giftköder oder zu viel Sonne: Es kann schnell passieren, dass ein Hund Hilfe braucht. Im besten Fall kannst du als Besitzerin oder Besitzer Erste Hilfe leisten und so die Zeit bis zum Tierarztbesuch überbrücken.

Wer die wichtigsten Maßnahmen direkt am Tier lernen möchte, sollte online nach speziellen Erste-Hilfe-Kursen für Hundehalterinnen und Hundehalter suchen. Dort lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur, wie sie ihrem Tier im Ernstfall helfen, sondern auch, wie sich eine Situation richtig einschätzen lässt: Handelt es sich um einen akuten Notfall, bei dem der Hund sofort in eine Klinik muss? Oder kann das Problem noch bis zur regulären Sprechstunde warten?

Auch Menschen, die keine Tierärztinnen oder Tierärzte sind, können in vielen Fällen einiges tun, um einem kranken oder verletzten Hund zu helfen. Die wichtigsten und häufigsten Notfälle findest du hier im Überblick.

1. Giftköder beim Hund: So erkennst du eine Vergiftung

Immer wieder legen Menschen Giftköder aus, um Hunden gezielt zu schaden. Häufig enthalten sie Rattengift oder Schneckenkorn. Beides kann für Hunde tödlich sein, wenn Besitzerinnen und Besitzer die Symptome nicht rechtzeitig bemerken und ihren Vierbeiner nicht schnell genug zum Tierarzt bringen. Auch wenn ein Hund eine bereits vergiftete Maus frisst, kann er durch Rattengift Schaden nehmen. Andere Hunde vergiften sich, nachdem sie im Garten oder auf einem Acker Dünger gefressen haben.

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Wenn du bemerkst, dass dein Hund beim Spaziergang etwas herunterschluckt, oder wenn du sogar gesehen hast, dass er Dünger gefressen hat, solltest du ihn anschließend genau beobachten. Je früher ein vergifteter Hund tierärztlich behandelt wird, desto größer ist seine Überlebenschance. Deshalb ist es wichtig, die typischen Anzeichen einer Vergiftung zu kennen, zum Beispiel nach einem Giftköder:

  • Unruhe
  • starker Speichelfluss
  • Erbrechen (schaumig)
  • Krämpfe und Durchfall
  • unregelmäßiger Puls
  • Zittern, Taumeln
  • Lähmungen
  • zu niedrige Körpertemperatur
  • Atemnot
  • blasse Schleimhäute
  • Blut im Urin
  • Blut im Kot
  • Rundrücken
  • Teilnahmslosigkeit
  • Bewusstlosigkeit
  • Herzstillstand
     

Auch wenn Vergiftungen unterschiedlich verlaufen können, gilt: Du solltest deinen Hund so schnell wie möglich zum Tierarzt bringen. Vergeht zwischen Giftaufnahme und Behandlung zu viel Zeit, kann das tödlich enden.

Wenn möglich, solltest du das vermutete Gift fotografieren oder sogar mit zum Tierarzt nehmen. So lässt sich oft schneller einschätzen, um welche Vergiftung es sich handelt. Selbst Erbrechen auszulösen, solltest du lieber nicht versuchen. Das ist gefährlich, falls der Hund nicht nur einen Giftköder verschluckt hat, sondern einen mit Nägeln oder Rasierklingen gespickten.

Tipp: Um Vergiftungen vorzubeugen, gibt es in vielen Städten ein sogenanntes „Giftköder-Training“ für Hunde. Dabei lernen die Tiere, Herumliegendes nicht unüberlegt zu verschlingen und nur Futter von ihrem Besitzer anzunehmen. Auch ohne einen solchen Kurs solltest du mit deinem Hund zumindest üben, gefundenes Fressen beim Spaziergang auf Kommando loszulassen.

2. Giftige Pflanzen für Hunde: Diese Gefahr wird oft unterschätzt

Auch manche scheinbar harmlosen Pflanzen können für Hunde giftig sein:

  • Giftpflanzen im Haus: zum Beispiel Agave, Amaryllis, Alpenveilchen, Azalee, Christusstern, Chrysantheme, Clivie, Datura, Dieffenbachie, Flamingoblume, Geranie, Gummibaum, Oleander, Passionsblume, Philodendron, Weihnachtsstern
  • Giftpflanzen im Garten: u. a. Buchsbaum, Buschwindröschen, Eisenhut, Engelstrompete, Fingerhut, Geißblatt, Herbstzeitlose, Hortensie, Rhododendron, Thuja, Zeder
  • Giftpflanzen in der Natur: etwa Bilsenkraut, Bittersüßer Nachtschatten, Eibe, Schierling, Goldregen, Maiglöckchen, Tollkirsche, Pfaffenhütchen, Rainfarn, Riesenbärenklau, Wiesenbärenklau
     

Zwar fressen Hunde nicht ständig Pflanzen. Gerade bei Welpen ist die Gefahr aber nicht zu unterschätzen. Sie erkunden vieles mit dem Maul und kauen gern auf dicken Blättern, großen Blüten oder Wurzelteilen. Im Herbst sind es oft Beeren giftiger Sträucher, die junge Hunde interessant finden.

Deshalb solltest du giftige Pflanzen aus dem Garten entfernen oder junge Hunde besonders gut im Blick behalten. Kaut dein Hund auf einer Giftpflanze herum, musst du sie ihm sofort wegnehmen. Zeigt er Vergiftungssymptome, gilt: sofort zum Tierarzt oder zur Tierärztin.

Das einzige „Hausmittel“, das Besitzerinnen und Besitzer bei verschiedenen Vergiftungen selbst einsetzen können, ist Aktivkohle. Sie bindet Giftstoffe im Verdauungstrakt und verzögert so deren Übergang ins Blut und damit den Verlauf der Vergiftung. Den Tierarztbesuch ersetzt sie aber nicht, denn eine Vergiftung ist immer ein Notfall.

3. Hund hat Schokolade gefressen: Warum jetzt Eile wichtig ist

Schokolade ist für Hunde giftig, selbst kleine Mengen können gefährlich sein. Frisst ein Hund größere Mengen, kann das sogar tödlich enden. Der Grund dafür ist das in Schokolade enthaltene Theobromin. Gelangt es ins Blut, überaktiviert es das Nervensystem. Erste Symptome sind meist große Unruhe und später Herzrasen.

So harmlos die Süßigkeit wirkt: Eine Schokoladenvergiftung beim Hund ist ein Notfall. Je dunkler die Schokolade, desto gefährlicher ist sie für den Hund. Wenn du mitbekommst, dass dein Tier Schokolade gefressen hat, solltest du möglichst genau nachvollziehen, wie viel es war, und dann den Tierarzt anrufen.

4. Verletzungen beim Hund: So leistest du richtig Erste Hilfe

Eine Rauferei mit dem Nachbarsrüden, eine Glasscherbe am Strand oder ein Verkehrsunfall: Jeder Hund kann sich verletzen. Wie schwer eine Verletzung ist, hängt nicht nur von der Tiefe der Wunde ab, sondern auch davon, an welcher Körperstelle sie sitzt. Eine Verletzung am Augenlid ist zum Beispiel bei gleicher Größe problematischer als eine im Nacken.

Ist die Pfote verletzt, blutet die Wunde oft stark, selbst wenn nur ein Pfotenballen betroffen ist. Dann solltest du zunächst versuchen, die Blutung durch Druck zu stoppen. Anschließend kannst du die Wunde mit Desinfektionsspray behandeln, das Fell rundherum kürzen und dann einen Tierarzt aufsuchen. Fremdkörper wie Dornen lassen sich vorsichtig mit einer Pinzette entfernen.

Ist die Pfote nicht durch eine Wunde, sondern durch einen rissigen und wunden Ballen verletzt, etwa wegen Streusalz auf den Straßen, kann als Hausmittel eine fettige Creme helfen. Vor dem nächsten Spaziergang kannst du zum Beispiel Vaseline oder Ringelblumensalbe auftragen.

Wichtig ist außerdem: Verletzte Hunde, vor allem nach einem Autounfall, stehen oft unter Schock und können aus Angst um sich beißen. Gegebenenfalls sollten Ersthelferinnen und Ersthelfer den Fang mit einer breiten Leine oder einem Tuch zubinden.

5. Fremdkörper verschluckt: Was du tun solltest, wenn dein Hund würgt

Hat dein Hund einen Fremdkörper verschluckt, zum Beispiel ein Holzstück, ein Spielzeug, Plastik oder einen Knochen, kann das lebensgefährlich werden. Typische Anzeichen sind Würgen, Reiben an der Schnauze, ständiges Schlucken, Husten, Niesen oder sogar Atemnot.

Ist der Fremdkörper bereits im Magen, kann nur noch ein Tierarzt helfen. Du solltest nicht selbst versuchen, den Hund zum Erbrechen zu bringen.

Als Hausmittel beim Verschlucken von Fremdkörpern gilt Sauerkraut. Ob das in deinem Fall geeignet ist, um den verschluckten Gegenstand sicher und zügig wieder aus dem Darm zu befördern, solltest du aber immer mit dem Tierarzt besprechen. Auch wenn der Hund zunächst keine Beschwerden zeigt und der Gegenstand nach ein bis zwei Tagen nicht mit dem Kot ausgeschieden wird, solltest du den Tierarzt informieren.

Blockiert der Fremdkörper die Atemwege und bekommt der Hund Atemnot, handelt es sich um einen Notfall. Dann kannst du versuchen, den Hund an den Hinterbeinen hochzuheben, um den Gegenstand herauszubefördern.

6. Hitzschlag oder Sonnenstich beim Hund: Symptome und Soforthilfe

Schon ab Außentemperaturen von etwa 24 Grad kann es im Auto in kurzer Zeit so heiß werden, dass ein eingeschlossener Hund einen Hitzschlag erleidet. Die Symptome sind meist deutlich: Der Hund hechelt stark, streckt den Hals lang nach vorn, die tiefrote Zunge hängt weit heraus, die Ohren sind gerötet und heiß. Zunächst wirkt er oft unruhig oder panisch, später apathisch oder bewusstlos. Droht ein Kreislaufversagen, verfärben sich die Schleimhäute dunkelrot.

Wenn du Erste Hilfe leistest, gib dem Hund bei einem Hitzschlag Wasser, das nicht zu kalt sein darf, und bring ihn an einen kühleren Ort. Kopf und Körper kannst du in ein nasses Handtuch einwickeln. Du solltest den ganzen Hund aber niemals mit kaltem Wasser überschütten, weil das einen Schock auslösen kann.

Ein Sonnenstich entsteht durch direkte Sonneneinstrahlung. Die Symptome ähneln denen eines Hitzschlags. Auch in diesem Fall muss der Hund sofort aus der Sonne gebracht werden. Außerdem solltest du ihn mit ausreichend Wasser versorgen. Treten Krämpfe oder Gleichgewichtsstörungen auf, musst du schnell einen Tierarzt aufsuchen.

Wiederbelebung beim Hund: So funktioniert die Herz-Lungen-Massage

Die Herz-Lungen-Wiederbelebung funktioniert bei Hunden so: den bewusstlosen Hund ohne Herzschlag auf die rechte Seite legen, seinen Kopf überstrecken und das Maul auf Fremdkörper untersuchen. Dann die Zunge herausziehen, die flache Hand kurz hinter dem Ellbogen auf den Brustkorb legen und diesen im Sekundentakt zehnmal hintereinander herunterdrücken. Danach zweimal beatmen und wieder von vorn beginnen.

Vitalwerte beim Hund: Diese Normwerte solltest du kennen

Wenn du einschätzen möchtest, ob es deinem Hund schlecht geht, solltest du die Normwerte für Puls, Körpertemperatur und Atmung kennen. Bei einem gesunden Hund gelten folgende Werte:

  • Puls: 80–120 Schläge/Minute
  • Körpertemperatur (rektal gemessen): 37,5–39,0 °C
  • Atmung: 10–30 Atemzüge/Minute
     

Den Puls kannst du gut an der Innenseite des Oberschenkels oder links am Brustkorb kurz hinter dem Ellbogen messen. Welpen haben einen höheren Puls als ausgewachsene Hunde, kleinere Rassen meist einen höheren als große. Bei Anstrengung, Stress oder Krankheit schlägt das Herz schneller.

Zum Fiebermessen führst du ein zuvor leicht eingefettetes Thermometer in den After des Hundes ein, etwa fünf Zentimeter tief. Bei Anstrengung oder Krankheit steigt die Körpertemperatur an. Die Atmung erkennst du gut an den Bewegungen der Rippen oder an der Flanke. Die Atemfrequenz ist bei Anstrengung, Aufregung oder Fieber erhöht. Wichtig ist, dass du alle Vitalwerte nur im Ruhezustand kontrollierst.

Auch die Schleimhäute geben wichtige Hinweise. Sie sind sichtbar, wenn du vorsichtig die Lefzen hochziehst, und sollten rosa gefärbt sein, können aber auch Pigmentflecken aufweisen. Hochrote Schleimhäute sprechen für Entzündungen, blasse für einen schwachen Kreislauf, starken Blutverlust oder Vergiftungen. Wirken die Schleimhäute bläulich, ist das ein Zeichen für Sauerstoffmangel. Unabhängig von der genauen Farbe gilt: Ist die Schleimhaut nicht rosa, ist das – von dunklen Pigmentflecken einmal abgesehen – ein Alarmzeichen und ein Fall für den Tierarzt.

Quellen:

  • Schrey, Christian: Leitsymptome und Leitbefunde bei Hund und Katze, Differenzialdiagnostischer Leitfaden; Georg Thieme Verlag KG; 4. Auflage 2019
  • Daubenmerkl, Wolfgang: Tierkrankheiten und ihre Behandlung – Hund, Katze, Pferd, Schwein, Rind; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart; 4. Auflage 2020
  • Online-Information Arbeiter-Samariter-Bund: https://www.asb.de/news/archiv/erste-hilfe-fuer-den-hund; Abruf: 19.03.2021
  • Online-Information Erste Hilfe beim Hund: "Fremdkörper"; https://www.erste-hilfe-beim-hund.de/cgi-php/rel00a.prod/joomla/Joomla_1.6/index.php/fremdkoerper; Abruf: 19.03.2021
  • Online-Information Erste Hilfe beim Hund: "Giftige Pflanzen"; https://www.erste-hilfe-beim-hund.de/cgi-php/rel00a.prod/joomla/Joomla_1.6/index.php/giftige-pflanzen; Abruf: 19.03.2021
  • Online-Information Erste Hilfe beim Hund: "Pfotenverletzung": https://www.erste-hilfe-beim-hund.de/cgi-php/rel00a.prod/joomla/Joomla_1.6/index.php/pfotenverletzung; Abruf: 19.03.2021
  • Online-Information Tierärzteverband: https://www.tieraerzteverband.de/smile/smile-tiergesundheit/hund/erste-hilfe-im-notfall.php; Abruf: 19.03.2021
  • Online-Information Tierarztpraxis Dr. Sommer: https://www.tierarzt-sommer.de/schokoladenvergiftung-beim-hund/; Abruf: 19.03.2021

Von Sina Horsthemke

Das Original zu diesem Beitrag "Erste Hilfe für Hunde" stammt von FOCUS Tierarzt.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn Symptome anhalten, sich verschlimmern oder du unsicher bist, wende dich bitte an eine Tierarztpraxis.