Kreuzbandriss beim Hund: So wird die schmerzhafte Knieverletzung behandelt
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Die Kreuzbänder stabilisieren bei Hunden ebenso wie beim Menschen das Kniegelenk. Das Knie sitzt beim Hund im Hinterbein. Es gibt ein vorderes und ein hinteres Kreuzband, beide verbinden Ober- mit Unterschenkel. Sie werden „Kreuzbänder“ genannt, weil sie im Kniegelenk über Kreuz liegen: Eines zieht von links oben nach rechts unten, das andere von rechts oben nach links unten.
Ist ein Kreuzband komplett oder teilweise gerissen, können Oberschenkel und Unterschenkel bei jeder Bewegung des Knies gegeneinander verrutschen, außerdem kann das Knie überstreckt werden und der Unterschenkel nach innen drehen. Das verursacht Schmerzen und begünstigt einen stärkeren Abrieb der Knorpelflächen im Gelenk. Bleibt ein Kreuzbandriss unbehandelt, führt diese Reibung langfristig zu Arthrose, also einem nicht rückgängig zu machenden Gelenkverschleiß.
In der Mehrzahl der Fälle ist bei Hunden das vordere Kreuzband betroffen. Laut einer Erhebung der Universität Göttingen zählt diese Verletzung zu den fünf häufigsten Gründen für eine umfangreiche tierärztliche Behandlung – nach Kastrationen, Sterilisationen, Tumoroperationen und Zahneingriffen. Knapp drei von hundert Hunden mussten deswegen schon tierärztlich versorgt werden.
Plötzliche, also „traumatische Kreuzbandrisse“ kommen gelegentlich bei jungen Hunden vor, die sich etwa beim Toben oder nach einem Sprung aus größerer Höhe verletzen. Weit verbreiteter ist jedoch der „degenerative“ Kreuzbandriss, bei dem das Band mit der Zeit durch ständige Belastung ausfasert und schließlich reißt oder seine Funktion verliert, weil es überdehnt ist. Oft liegen Fehlstellungen der Gliedmaßen zugrunde. Bestimmte Hunderassen sind besonders anfällig für solche degenerativen Schäden am Kreuzband, darunter Berner Sennenhund, Bernhardiner, Boxer, Golden Retriever, Labrador und Rottweiler.
Kreuzbandriss beim Hund: Typische Symptome erkennen
Reißt das Kreuzband im Hinterbein abrupt, ändert sich der Gang sofort: Der Hund lahmt deutlich, um das schmerzende Knie zu entlasten. Das Gelenk – du kannst es am oberen Ende des Hinterbeins ertasten – kann anschwellen und sich warm anfühlen. Manche Hunde geben beim Riss nur kurz einen Schmerzenslaut von sich und zeigen danach zunächst kaum Auffälligkeiten. Das passiert vor allem dann, wenn das Band nur angerissen, aber nicht vollständig gerissen ist. Häufig strecken Hunde mit Kreuzbandriss das betroffene Bein im Sitzen seitlich weg oder stellen sich nur vorsichtig auf die Zehenspitzen.
Ein degenerativer Kreuzbandriss entwickelt sich eher unmerklich, sodass die Einschränkung dem Hund anfangs oft nicht anzusehen ist. Das kann täuschen, denn ein instabiles Knie mit eingeschränkter Bandfunktion beeinträchtigt die Beweglichkeit des Vierbeiners früher oder später stark. Sprünge und schnelles Laufen sind dann kaum noch möglich, abruptes Abbremsen tut weh. Hat sich infolge des Kreuzbandrisses bereits eine Arthrose ausgebildet, ist der Hund meist nur noch schwer zu Bewegung zu motivieren.
Wann solltest du also mit deinem Tier zum Tierarzt gehen, wenn die Anzeichen nicht eindeutig sind? Am sinnvollsten immer dann, wenn du den Eindruck hast, dass mit deinem Hund etwas nicht stimmt. Dir fällt meistens schnell auf, wenn ein sonst sehr verspielter Hund plötzlich ungern dem Ball hinterherläuft oder sich am Knie nicht mehr berühren lassen möchte. Deutliches Humpeln ist in jedem Fall ein Warnsignal – dann sollte ein Tierarzt das Bein unbedingt untersuchen.
Kreuzbandriss beim Hund: Optionen der Behandlung
Wenn das Kreuzband gerissen ist, steht für den Halter die Frage im Raum: operieren oder nicht? Besonders bei jungen Hunden rät der Tierarzt meist zur Operation, weil das Risiko für Arthrose hoch ist. Kreuzbandoperationen zählen zu den am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffen beim Hund.
Kreuzbandriss beim Hund operativ versorgen
Zur chirurgischen Versorgung eines gerissenen Kreuzbandes beim Hund stehen drei Verfahren zur Verfügung:
- Faszien-Bandersatz: Der Tierarzt entnimmt aus der Oberschenkelmuskulatur des Hundes einen Streifen Bindegewebe und legt ihn so durch das Kniegelenk, dass er – ähnlich wie das ursprüngliche Kreuzband – Ober- und Unterschenkel miteinander verbindet.
- Extrakapsuläre Technik: Bei dieser Methode verbindet der Tierarzt Ober- und Unterschenkel außerhalb der Gelenkkapsel mit einem künstlichen Material, das die Stabilisierung durch das verletzte Kreuzband übernimmt. Diese Operation eignet sich besonders für kleinere, leichte Hunde.
- TPLO: Die Abkürzung steht für „Tibia Plateau Leveling Osteotomie“. Bei dem Verfahren, das vor allem bei größeren Hunden häufig angewendet wird, verändert der Operateur den Winkel des Unterschenkels so, dass ein gegeneinander Verschieben von Ober- und Unterschenkel nicht mehr möglich ist.
- TTA: Diese Abkürzung steht für „Tibial Tuberosity Advancement“. Auch bei dieser OP-Methode wird die Funktion des Kreuzbandes – durch ein Implantat – anatomisch überflüssig gemacht, sodass es für die Stabilität des Knies verzichtbar ist.
Alle Methoden sorgen dafür, dass das Knie wieder stabiler wird und verringern damit die Wahrscheinlichkeit eines frühzeitigen Gelenkverschleißes. Während der Operation liegt der Hund in Vollnarkose. Nach dem Eingriff – insbesondere nach einer TPLO- oder TTA-OP – kann der Hund häufig rasch wieder laufen: Die meisten Tierärzte empfehlen dann eine Schonzeit von sechs Wochen, im Anschluss darf das Gelenk normalerweise wieder vollständig belastet werden. Wird ein Faszienstreifen oder ein künstliches Band eingesetzt, dauert die Genesung meist etwas länger, etwa sechs bis zehn Wochen. Bei einem Bandersatz aus körpereigenem Gewebe lässt die Stabilität des Knies häufig mit der Zeit nach, während ein Implantat aus Kunststoff in der Regel länger zuverlässig hält.
Am häufigsten wählen Tierarzt und Tierhalter heute die TPLO- oder TTA-OP-Methode. Im Zuge der Operation überprüfen die Chirurgen meist auch die Menisken im Kniegelenk und glätten diese C-förmigen Puffer aus Bindegewebe, falls das notwendig ist.
Nach der OP ist Schonung angesagt: In der ersten Woche nach dem Eingriff darf der Hund nur für sehr kurze Gassigänge nach draußen und erhält Schmerzmittel. Das Knie sollte regelmäßig gekühlt werden, glatte Böden und Treppenstufen sind möglichst zu vermeiden. Nach etwa zehn Tagen entfernt der Tierarzt die Fäden. Danach kannst du die Belastung langsam steigern, dein Hund sollte aber weiterhin weder springen noch rennen. Erst nach sechs Wochen sind wieder ruhige Spaziergänge an der Leine von bis zu einer halben Stunde erlaubt.
Welche Ausgaben durch eine Kreuzband-OP entstehen, lässt sich nicht allgemein angeben. Die Kosten richten sich nicht nur nach der gewählten Operationsmethode, sondern auch nach zusätzlichen Maßnahmen, die bei dem jeweiligen Hund notwendig sind.
Kreuzbandriss beim Hund ohne Operation behandeln
Ohne chirurgischen Eingriff besteht bei einem Kreuzbandriss grundsätzlich das Risiko, dass der Hund dauerhaft in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt bleibt und frühzeitig Arthrose entwickelt. Diese lässt sich nicht heilen und geht mit starken Schmerzen einher. Aus diesem Grund – und weil aufgrund der Anatomie des Hundes hohe Kräfte auf die Kreuzbänder wirken – raten die meisten Tierärzte von einer rein konservativen Behandlung ab. Praktisch betrachtet gibt es keine Alternative zur OP.
Eine genaue Angabe zur Heilungsdauer ohne Operation ist schwierig, da häufig keine wirkliche Ausheilung eintritt, sondern das Knie dauerhaft instabil bleibt und sich erst später eine Arthrose ausbildet.
Ist das Kreuzband nur angerissen, kann es sich aber anbieten, zunächst abzuwarten und nicht sofort zu operieren. Die günstigsten Aussichten auf einen zufriedenstellenden Verlauf ohne Operation haben kleine, leichte Hunde. Ziel der Therapie ist es dann, das Knie durch Physiotherapie, Schonung und eine Ernährungsumstellung möglichst zu entlasten und dem Hund mithilfe von Medikamenten ein weitgehend schmerzarmes Leben zu ermöglichen.
Ob mit oder ohne OP: Wichtig ist, dass dein Hund regelmäßig Bewegung bekommt, da gut entwickelte Muskulatur das geschädigte Gelenk stützt und stabilisiert. Unterstützen kann dich dabei ein Hunde-Physiotherapeut, der mit speziellen Übungen Kraft und Beweglichkeit wieder aufbaut. Außerdem solltest du streng darauf achten, dass dein Hund kein Übergewicht hat – je weniger Kilos das geschädigte Knie tragen muss, desto besser.
Kreuzbandriss beim Hund: Diagnose in der Tierarztpraxis
Der Tierarzt lässt sich zunächst von dir die beobachteten Symptome schildern und begutachtet dann das Gangbild deines Hundes. Anschließend tastet er das Kniegelenk ab, um Schwellungen aufzuspüren, und beobachtet, wie der Hund das Bein im Sitzen positioniert.
Bei einem Verdacht auf Kreuzbandriss führt der Tierarzt den sogenannten Schubladentest: Er verschiebt den Unterschenkel gegen den Oberschenkel und kontrolliert damit die Stabilität des Knies. Lässt sich der Unterschenkel ähnlich wie eine Schublade nach vorne ziehen, spricht das für einen Kreuzbandriss. Ein weiterer Test heißt „Tibiakompressionstest“. Dabei drückt der Tierarzt auf den Unterschenkel und beurteilt, wie sich dieser Druck auf das Kniegelenk auswirkt. Zur Absicherung der Diagnose kann zusätzlich eine Röntgenaufnahme angefertigt werden.
Quellen:
- Ohr, R.: "Heimtierstudie 2019: Ökonomische und soziale Bedeutung der Heimtierhaltung in Deutschland"; www.uni-goettingen.de; Abruf: 30.05.2021
- Schrey, C.: Leitsymptome und Leitbefunde bei Hund und Katze, Differenzialdiagnostischer Leitfaden; Georg Thieme Verlag KG; 4. Auflage 2019
- Online-Informationen Tierärzte Duisburg: www.tierärzte-duisburg-mülheim.de; Abruf: 31.05.2021
- Online-Informationen Tierarztpraxis am Feuerteich: tierarztpraxis-am-feuerteich.de; Abruf: 31.05.2021
- Online-Informationen Tierklinik Hofheim: www.tierklinik-hofheim.de; Abruf: 31.05.2021
- Online-Informationen Tierklinik Ismaning: www.tierklinik-ismaning.de; Abruf: 30.05.2021
- Online-Informationen Tierklinik Oberhaching: www.tierklinik-oberhaching.de; Abruf: 30.05.2021
- Online-Informationen Zentrum für Kleintiermedizin: zentrum-kleintiermedizin.de; Abruf: 31.05.2021
Von Sina Horsthemke
Das Original zu diesem Beitrag "Kreuzbandriss beim Hund" stammt von FOCUS Tierarzt.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn Symptome anhalten, sich verschlimmern oder du unsicher bist, wende dich bitte an eine Tierarztpraxis.
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