Scheinschwangerschaft beim Hund: Diese Symptome belasten viele Hündinnen besonders
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Unter einer Scheinschwangerschaft oder Scheinträchtigkeit versteht man eine hormonelle Veränderung bei der Hündin nach der Läufigkeit, also der fruchtbaren Phase. Der veränderte Hormonhaushalt suggeriert dem Tier, trächtig zu sein und bald Welpen zu bekommen.
Wie entsteht eine Scheinschwangerschaft beim Hund?
Die Scheinträchtigkeit ist Teil eines natürlichen Ablaufs im Körper der Hündin: Nach jeder Läufigkeit produziert sie das Schwangerschaftshormon Progesteron – unabhängig davon, ob eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht. Progesteron soll eine mögliche Schwangerschaft erhalten, lässt die Milchdrüsen anschwellen und macht die Hündin müder.
Etwa zwei Monate nach der Läufigkeit – zur Zeit des möglichen Geburtstermins – verschiebt sich das hormonelle Gleichgewicht erneut: Der Progesteronspiegel sinkt, während die Menge des Hormons Prolaktin zunimmt. Dadurch beginnt das Gesäuge Milch zu bilden, auch ohne tatsächliche Trächtigkeit. Meist bleibt das unbemerkt, und die Milchproduktion hört nach einigen Tagen von alleine wieder auf. In einem regulären Zyklus bilden sich die Gelbkörper in dieser Phase zurück, der Progesteronspiegel nimmt stark ab und der Zyklus geht in eine Ruhephase über.
Bei einer Scheinschwangerschaft ist dieser fein abgestimmte Hormonhaushalt gestört. Der Körper schüttet weiterhin Prolaktin aus, das Gesäuge produziert Milch – der Organismus verhält sich, als hätte die Hündin Junge bekommen. Gleichzeitig beeinflusst Prolaktin das Verhalten: Die Hündin entwickelt Muttergefühle, sucht die Nähe ihrer Bezugsperson oder kümmert sich intensiv um Dinge, die sie „adoptiert“.
Die Wurzeln der Scheinschwangerschaft liegen in der Evolution der Hunde: In Wolfsrudeln bekam nur die Leitwölfin Nachwuchs. Durch die hormonellen Veränderungen der Scheinträchtigkeit konnten jedoch auch die anderen Wolfshündinnen Milch bilden und die Jungen der Leitwölfin versorgen, wenn diese auf der Jagd war oder starb.
Wie lange eine Scheinschwangerschaft andauert, ist individuell und hängt auch von der Rasse ab. Die Anzeichen lassen nach, sobald sich der Hormonstatus normalisiert – das geschieht in der Regel innerhalb von zwei bis acht Wochen.
Eine Scheinschwangerschaft kann nur nach der Läufigkeit auftreten. Der Körper bereitet sich auf die Versorgung von Welpen vor, und etwa zwei Monate später – um den theoretischen Geburtstermin herum – treten die typischen Symptome auf.
Scheinschwangerschaft beim Hund: Typische Symptome
An einer Scheinträchtigkeit beim Hund erkennst du unter anderem diese Anzeichen:
- wenig oder kein Appetit
- zunehmender Bauchumfang
- geschwollenes Gesäuge durch Milchbildung
- Milchfluss oder Milcheinschuss aus den Milchdrüsen
- Verhaltensänderungen: Die Hündin ist besonders anhänglich oder wirkt träge, gereizt, teilnahmslos oder aggressiv
- ungewöhnliches Verhalten: Die Hündin „adoptiert“ Gegenstände wie Schuhe oder Spielzeuge
- „Nestbau“: Die Hündin trägt Spielzeug, Schuhe, Kissen und andere Dinge in ihr Körbchen oder an ihren Lieblingsort und sammelt sie dort – ähnlich wie beim Nestbau von Vögeln
Während der Scheinschwangerschaft kann es passieren, dass der Hund sein Fressverhalten verändert und beispielsweise schlechter frisst. Auch andere Verhaltensänderungen sind möglich, ausgelöst durch das hormonelle Ungleichgewicht.
Für dich und deinen Hund kann die Scheinträchtigkeit eine Belastung sein, besonders wenn die Hündin Spielzeug, Schuhe oder andere Dinge zusammenträgt und ihre Muttergefühle darauf projiziert. Sie „adoptiert“ diese Gegenstände und behandelt sie wie Welpen – eine durch Hormone gesteuerte, normale Reaktion.
Bei scheinträchtigen Hündinnen schießt Milch ein, die Zitzen schwellen an und können schmerzen. Manche Tiere mögen dann keine Berührungen am Körper, lassen sich ungern streicheln und zeigen mitunter aggressives Verhalten. Auch solche Reaktionen gehören zu den typischen Anzeichen einer Scheinschwangerschaft.
Scheinschwangerschaft beim Hund: Wann solltest du zum Tierarzt?
Stellst du erste Anzeichen einer Scheinschwangerschaft fest, ist das in der Regel kein Anlass zur Panik. Es handelt sich um einen natürlichen Prozess. Innerhalb von zwei bis acht Wochen pendelt sich der Hormonhaushalt meist wieder ein, und die Beschwerden gehen von alleine zurück.
Leidet dein Hund jedoch deutlich unter den Symptomen, solltest du einen Tierarzt aufsuchen. Wenn sich das Verhalten stark verändert, die Zitzen deutlich geschwollen sind und Schmerzen verursachen, kann der Tierarzt Medikamente einsetzen.
Ist deine Hündin immer wieder scheinträchtig, ist ebenfalls ein Besuch beim Tierarzt sinnvoll. Eine Kastration kann helfen, den Hormonhaushalt zu regulieren und erneute Scheinträchtigkeiten zu vermeiden. Vor einem solchen Eingriff sollten jedoch Vorteile und Nachteile sorgfältig abgewogen werden – idealerweise gemeinsam mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.
Scheinschwangerschaft beim Hund: Was kannst du tun?
Die Scheinträchtigkeit ist keine Erkrankung, sondern ein natürlicher hormoneller Zustand. Eine Behandlung ist nicht immer notwendig, da die Symptome verschwinden, sobald sich der Hormonhaushalt deiner Hündin stabilisiert. Das geschieht meist innerhalb von zwei bis acht Wochen.
Trotzdem bedeutet das hormonelle Auf und Ab Stress für die Hündin. Um die Beschwerden zu lindern, kann dein Tierarzt ein Medikament verschreiben, etwa einen Prolaktinhemmer. Dieses Arzneimittel reduziert die Ausschüttung von Prolaktin und wirkt dem Wachstum der Milchdrüsen sowie dem Milcheinschuss entgegen. Du erhältst das Medikament beim Tierarzt; nach drei bis sieben Tagen gehen die Symptome häufig zurück und es geht dem Tier meist deutlich besser.
Eine weitere Möglichkeit, die unangenehme Phase schneller zu überbrücken, ist Ablenkung. Biete deiner Hündin viel Beschäftigung, ausgedehnte Spaziergänge und neue Strecken. Bewegung kann helfen, den Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Achte außerdem darauf, dass deine Hündin ihr Gesäuge nicht ständig ableckt. Das würde die Milchproduktion zusätzlich stimulieren. Ein Leckschutz – etwa spezielle Hosen für Hündinnen – kann das verhindern. Alternativ kannst du ihr ein altes T-Shirt so anziehen, dass es die empfindlichen Zitzen bedeckt.
Hat deine Hündin während der Scheinträchtigkeit einen Schuh, ein Kuscheltier oder ein anderes Objekt „adoptiert“, solltest du diesen Gegenstand unauffällig entfernen.
Scheinträchtigkeit beim Hund: Hausmittel zur Linderung
Ist deine Hündin scheinträchtig, kannst du sie mit einem einfachen Hausmittel unterstützen. Gegen ein geschwollenes Gesäuge helfen kühlende Auflagen. Lege ihr in ein dünnes Handtuch gewickelte Kühlpacks oder feuchte Kompressen auf die Zitzen. Das kann die Schwellung verringern und Schmerzen lindern.
Lass die kühlen Auflagen nur so lange liegen, wie es deiner Hündin angenehm ist. Wird sie unruhig oder versucht, das Kühlpack loszuwerden, solltest du es sofort entfernen. Achte unbedingt darauf, dass Kühlpacks nie direkt auf der Haut liegen – sonst drohen Erfrierungen.
Kann man einer Scheinschwangerschaft beim Hund vorbeugen?
Manche Hündinnen werden fast nach jeder Läufigkeit scheinträchtig. Tritt diese Situation häufig auf und ist mit deutlichen Beschwerden verbunden, kannst du eine Kastration in Betracht ziehen. Dadurch lassen sich weitere Scheinschwangerschaften meist verhindern.
Da eine Kastration jedoch in den natürlichen Hormonhaushalt eingreift, sollte die Entscheidung immer gemeinsam mit dem Tierarzt getroffen werden. Der Eingriff findet nach Ende der Scheinträchtigkeit statt, wenn die Symptome abgeklungen sind.
Hinweis: Häufig heißt es, eine Hündin, die bereits Welpen bekommen hat, könne nicht mehr scheinträchtig sein. Das ist ein Irrglaube. Auch nach einer Schwangerschaft kann der Hormonhaushalt zyklusbedingt gestört sein und es kann eine Scheinschwangerschaft auftreten.
Quellen:
- Schrey, Christian: Leitsymptome und Leitbefunde bei Hund und Katze; Georg Thieme Verlag; 4. Auflage 2019
- Gäbel, G & Loeffler, K: Anatomie und Physiologie der Haustiere; utb; 15. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage; 2018
- Online-Informationen Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.: www.tieraerzteverband.de; Abruf: 01.02.2022
- Online-Informationen Tierklinik Ismaning: www.tierklinik-ismaning.de; Abruf: 01.02.2022
Von Lisa Vogel
Das Original zu diesem Beitrag "Scheinschwangerschaft beim Hund" stammt von FOCUS Tierarzt.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn Symptome anhalten, sich verschlimmern oder du unsicher bist, wende dich bitte an eine Tierarztpraxis.
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