Experten geben Tipps: So vermeidest du Stress beim Tierarztbesuch
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Panik in der Transportbox? Fehlende Dokumente? Schier endloses Jaulen und Fauchen? Ein Tierarztbesuch ist nicht nur eine Ausnahmesituation für Hund oder Katze – sondern auch für dich als Halterin oder Halter. Mit ein paar Tipps, etwas Vorbereitung und ein wenig Training wird der Termin in der Praxis oft deutlich entspannter – und du tust das Beste für die Gesundheit deines vierbeinigen Lieblings.
Tierarztpraxis finden: So wählst du die richtige Praxis für dein Tier
Deine innere Ruhe überträgt sich auf dein Tier. Du bist entspannter, wenn der Besuch gut geplant ist und du die Rahmenbedingungen kennst. Deshalb lohnt es sich, die Tierarztpraxis sorgfältig auszuwählen: Ist die Tierärztin oder der Tierarzt auf die passende Tierart spezialisiert? Gerade bei Vögeln oder Reptilien ist es sinnvoll, eine spezialisierte Praxis aufzusuchen. Für Hunde, Katzen und Kleintiere wie Hamster, Kaninchen oder Meerschweinchen ist das Angebot meist breiter.
Zur Vorbereitung gehört auch die Anfahrt: Ist der Weg klar? Vielleicht fährst du ihn vorab einmal ab. Kannst du in der Nähe der Praxis parken? Je weniger du improvisieren musst, desto ruhiger startest du in den Termin.
Tierarztbesuch üben: Probedurchlauf und Kennenlerntermin für dein Tier
Wenn du mit deinem Tier das allererste Mal einen Tierarzt oder eine Tierärztin aufsuchst oder die Praxis wechselst, bietet sich ein Trainingslauf an. „Gerade mit jungen Tieren sollten Halter den Tierarzt das erste Mal einfach nur zum Kennenlernen besuchen“, sagt Dr. Petra Sindern, Vizepräsidentin des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte.
Denn so ein Probelauf ermöglicht es nicht nur der Tierärztin oder dem Tierarzt, sich einen Überblick über den Grundzustand von Hund, Katze oder Kaninchen zu verschaffen. „Auf diesem Wege lernt das Tier die Praxis kennen, ohne dass es krankheitsbedingte Schmerzen hat, und bekommt auch nicht gleich eine Spritze gesetzt“, fügt Sindern hinzu.
„Medical Training heißt das Zauberwort“
„Sind dann noch genügend Leckerli im Spiel, verbindet es den Ort mit einer angenehmen Atmosphäre.“ Die ersten Untersuchungen können so spielerisch vorgenommen werden und du als Besitzer oder Besitzerin bekommst einige Tipps, wie du dein Tier vorab optimal vorbereiten kannst.
„Medical Training heißt das Zauberwort“, sagt Sindern.
„Mehrmals täglich können die Besitzer mit dem Tier verschiedene Situationen, wie das Festhalten und das Untersuchen von Pfoten, Ohren oder Zähnen üben.“ Hält dein Tier still, bekommt es sofort eine Belohnung. „Auch das Geben von Tabletten muss kein Angstfaktor sein, wenn man es nach tierärztlicher Anleitung immer wieder trainiert, zum Beispiel mit Futterbröckchen, die über den Zungengrund geschoben werden.“
Regelmäßige Besuche zur Gesundheitskontrolle, Impfung oder Entwurmung helfen auch, dein Tier an die Praxis zu gewöhnen. Je nach Tierart gibt es verschiedene Vorsorgeuntersuchungen in unterschiedlichen Zeitabständen, die du einhalten solltest. Am besten vereinbarst du gleich einen Termin für das nächste Mal. Oft bekommst du auch ein Erinnerungsschreiben der Praxis.
Transportbox für Hund oder Katze: Darauf solltest du achten
Essenziell für einen Tierarztbesuch ist oft die Transportbox. Triffst du hier eine gute Wahl, kann sie den Ausflug in die Praxis wesentlich erträglicher machen. Und darauf kommt es an:
- Eine Transportbox sollte oben einen großen verschließbaren Deckel haben, durch den deine beiden Arme und dein Tier passen.
- Das Hineingreifen lässt sich vor dem Kauf üben – nimm einfach ein entsprechend großes Stofftier als Dummy mit.
- Stellst du die Box als Teil der Wohnungseinrichtung auf und versteckst darin immer wieder Leckerli, kann sich dein Tier an die Box gewöhnen.
- Ein Kissen oder Tuch (mit dem angenehmen Geruch von zu Hause) hilft deinem Tier dabei, die Box als Schutzhöhle zu verstehen – und nicht als gefürchtetes Transportmittel.
- Verzichte auf laut klickende Schlösser und Riegel.
Stress beim Tierarzt reduzieren: Termin, Wartezimmer, Hausbesuch
Petra Sindern rät, dir auf jeden Fall eine Praxis mit Terminvergabe zu suchen. Auch wenn dein Tier plötzlich Anzeichen von Übelkeit zeigt, solltest du immer vorher anrufen. „Meist ist es stressfreier, mit dem Tier bis kurz vor dem Termin zu Hause zu warten, als mit einem verängstigten Tier neben drei bellenden Hunden im Wartezimmer zu sitzen.“
Praxen, die keine festen Zeiten anbieten, sieht die Fachfrau kritisch. Auch Hausbesuche durch den Tierarzt oder die Tierärztin solltest du gut überlegen: „Gerade panische Tiere verbinden dann aber auch das Zuhause, ja sogar das eigene Körbchen, mit Stress. Sie bekommen Angst vor der Spritze dort, wo sie sich eigentlich am sichersten fühlen sollten“, betont Sindern. Sie rät daher, lieber in die Praxis zu fahren, als den Tierarztbesuch zu Hause stattfinden zu lassen.
Impfpass & Co.: So organisierst du wichtige Tierarzt-Dokumente
Ein weiterer vermeidbarer Stressfaktor ist die hektische Suche nach notwendigen Dokumenten vor dem Tierarztbesuch. Das spart dir Zeit und Stress:
- Alle wichtigen Dokumente – besonders den Impfausweis oder den Reisepass – deines Tieres solltest du immer griffbereit an einem festen Platz aufbewahren, zum Beispiel in einer bestimmten Schublade, einem Aktenordner oder einer Kiste.
- Dort kannst du auch weitere wichtige Dokumente wie eine Ahnentafel bei Rassetieren oder Untersuchungsergebnisse der Eltern (Erbkrankheiten) ablegen.
- Bei einem chronisch kranken oder älteren Tier solltest du für einen Tierarztwechsel auch frühere Röntgenaufnahmen, Medikamentenlisten oder Blutuntersuchungen ablegen.
Wann muss dein Tier zum Tierarzt oder in die Klinik?
Ist die Zecke hinterm Ohr ein Grund, die Praxis aufzusuchen? Eher nicht. Erbricht dein Hund am Donnerstag, ist schlapp und kurzatmig, solltest du hingegen nicht bis zum Wochenende warten, nur weil das besser zu deinen Arbeitszeiten passt. Kurzum: Du als Halter oder Halterin solltest dir ein Grundwissen aneignen und lernen, dein Tier richtig zu lesen und seinen Gesundheitszustand einzuschätzen. Einige Tierarztpraxen bieten hierfür Kurse an – auch in Erster Hilfe.
Notfall-Tierarzt Dr. René Dörfelt von der Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München erklärt, wann dein Tier wirklich in eine Klinik gebracht werden sollte: „Grundsätzlich ist es immer gut, den Haus-Tierarzt zu kontaktieren. Denn er kennt das Tier am besten." Braucht dein Tier eine besondere Behandlung oder werden spezielle medizinische Geräte benötigt, überweisen Haus-Tierärztinnen und Haus-Tierärzte an die Klinik. Denn dort gibt es zunehmend mehr Spezialistinnen und Spezialisten: „Es gibt zum Beispiel Kardiologen, Neurologen oder Kolleginnen und Kollegen, die sich auf Schmerztherapie oder die Augen spezialisiert haben“, sagt Dörfelt.
„Außerdem gibt es natürlich noch richtige Notfälle, wie ernsthafte Beißereien zwischen Hunden oder wenn die Katze von einem Auto angefahren wurde. Das kann ein Grund sein, sofort in die Klinik zu fahren“, betont Dörfelt.
Und das macht eine tierärztliche Klinik aus:
- 24-Stunden-Notdienst
- Telefonisch immer erreichbar
- Muss von einem Fachtierarzt oder einer Fachtierärztin geleitet werden und mindestens zwei weitere Veterinärinnen oder Veterinäre beschäftigen.
- Hat eine gewisse Grundausstattung wie zum Beispiel ein eigenes Labor.
Nachsorge nach dem Notfall: So geht es nach der Klinik weiter
Ist der Notfall überstanden, muss natürlich auch eine gute Nachsorge gesichert sein. „Diese kann durchaus wieder die Haus-Tierärztin oder der Haus-Tierarzt übernehmen. Das Tier ist dann wieder in seiner gewohnten Umgebung und die Klinik-Tierärztinnen und -Tierärzte sprechen sich meist gut mit den Kolleginnen und Kollegen ab. So kann in jedem Fall spezifisch entschieden werden, wann die Rücküberweisung Sinn ergibt“, sagt Dörfelt.
Tierkrankenversicherung & OP-Versicherung: Darauf solltest du achten
„Die Hauptkosten für Tierhalter sind immer noch die Futterkosten“, sagt Tierärztin Sindern. Aber: Gerade bei älteren oder chronisch kranken Tieren könnten Behandlungen ins Geld gehen. Eine Versicherung kann das finanzielle Risiko in Grenzen halten. Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte hat dazu einen Mindestkriterienkatalog mit acht Punkten zusammengestellt, auf die du als Halter oder Halterin achten solltest:
- Grundsätzlich freie Tierarztwahl
- Therapiefreiheit des Tierarztes oder der Tierärztin – also eine freie Entscheidung zu Diagnose und Therapie, einschließlich der Medikation
- Abrechnung bis zum dreifachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte, im Notfall bis zum vierfachen Satz
- Transparente Gestaltung des Leistungskataloges (zum Beispiel Aussagen zum Umgang mit chronischen Erkrankungen oder Erbkrankheiten); Leistungsausschlüsse müssen klar erkennbar sein
- Durchführung regelmäßiger Präventionsmaßnahmen im Rahmen des jährlichen Gesundheitschecks (zum Beispiel Impfungen, Zahnsteinprophylaxe) vorgeschrieben
- Bei reinen OP-Versicherungen volle Kostenübernahme der präoperativen Diagnostik und postoperativen Therapie
- Unbürokratische Abwicklung der tierärztlichen Leistung: Du bezahlst beim Tierarzt oder bei der Tierärztin und reichst die Rechnung (mit der Gebührenordnung konform) bei der Versicherung ohne weitere Formulare ein
- Klare Vertragsgestaltung hinsichtlich beiderseitiger Kündigungsformalitäten
Mehr Tierwohl mit Versicherungsschutz
Unterm Strich, das bestätigt eine 2020 im Fachblatt "Berliner und Münchener Tierarztliche Wochenschrift" veröffentlichte Studie, können Tierkranken- sowie OP-Versicherungen wesentlich zum Tierwohl beitragen: "Ferner zeigten auch diese Ergebnisse, dass versicherte Tiere eine bessere medizinische Versorgung erhielten", betonen die Autoren. Und: Versicherte Tiere sterben eher eines natürlichen Todes – weil sie nicht aus Kostengründen eingeschläfert werden müssen.
Von Sven Hasselberg
Das Original zu diesem Beitrag "Tierarztbesuch ohne Stress" stammt von FOCUS Tierarzt.
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