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Förderung des Betriebsklimas

„Unser Glücksgenerator“ – Uni Koblenz testet Arbeit mit Bürohunden

Bürohund Fenris liegt unter dem Schreibtisch von Sophie Kohout. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität dürfen unter bestimmten Voraussetzungen ihre Vierbeiner zur Arbeit mitbringen.
Bürohund Fenris liegt unter dem Schreibtisch von Sophie Kohout. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität dürfen unter bestimmten Voraussetzungen ihre Vierbeiner zur Arbeit mitbringen. Thomas Frey/dpa
Bürohunde verbessern an der Uni Koblenz die Stimmung am Arbeitsplatz. Ein Pilotprojekt zeigt, warum das Konzept langfristig bleiben könnte.

Henri, Paula und Fenris müssen sich an der Uni Koblenz nicht mit Hausarbeiten, Prüfungen oder Abgabefristen herumschlagen. Ihre Aufgabe ist es, für gute Stimmung zu sorgen. Die drei gehören zu insgesamt 17 Hunden, die aktuell am Pilotprojekt „Bürohunde“ der Universität teilnehmen. Seit November dürfen die Hunde ihre Menschen regulär an den Arbeitsplatz begleiten.

Die Idee basiert auf einem Konzept, das unter der Leitung von Yvonne Werle und Felicitas Kexel ausgearbeitet wurde. „Wir haben ein Konzept erstellt, das für alle Sorge tragen soll: für die Mitarbeitenden – auch mit Ängsten und Allergien –, für die Hundebesitzenden und für die Studierenden“, sagt Werle. Die 31-Jährige ist an der Uni im Zentrum für Lehrkräftebildung tätig, die 32 Jahre alte Kexel steht dem International Relations Office vor, beide halten selbst Hunde.

Yvonne Werle (l) und Felicitas Kexel von der Universität Koblenz.
Yvonne Werle (l) und Felicitas Kexel von der Universität Koblenz. Thomas Frey/dpa

Der Wauwau-Effekt: Bürohunde und ihre Wirkung

Laut Bundesverband Bürohund liegen belastbare wissenschaftliche Studien zu den positiven Auswirkungen von Hunden im Arbeitsumfeld vor. Demnach können Vierbeiner im Büro ein angenehmeres Betriebsklima fördern, das Stressempfinden verringern, mehr soziale Kontakte anregen und die Arbeitszufriedenheit steigern.

Nach Angaben des Verbands eignen sich Hunde besonders gut für den Einsatz im Büro, da sie auf den Menschen hin sozialisiert sind, sich problemlos an Routinen anpassen und als soziale Begleiter die Nähe zu ihren Bezugspersonen brauchen.

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Konzept überzeugt: Bürohunde an der Uni Koblenz

Auf dem Campus in Koblenz sind die zugelassenen Bürohunde mit ihren roten Halstüchern, die vor allem die kleineren Exemplare wie kuschelige Superhelden wirken lassen, längst bekannt. Bis dahin war jedoch einiges an Vorarbeit nötig: Die Projektleiterinnen mussten umfassend recherchieren, zahlreiche Aspekte berücksichtigen und der Hochschulleitung ein detailliertes Konzept vorlegen. Diese zeigte sich schließlich einverstanden.

Constanze Juchem-Grundmann, die als Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Hochschulleitung angehört, hat dabei ein Punkt besonders gefreut: „Es gab tatsächlich Professorinnen, die gesagt haben: ‚Ihr habt eine Möglichkeit, einen Hund mitzubringen, wir kommen!‘ Also das hat uns schon sehr begeistert.“

Schutz und Sicherheit: Regeln für Bürohunde

In Planung und Umsetzung steht die Sicherheit aller Betroffenen im Mittelpunkt, insbesondere von Menschen mit Angst vor Hunden oder Allergien. „Deshalb dürfen die Hunde nur in die jeweiligen Büros und nicht in Teeküchen, Vorlesungsräume oder andere Räume“, sagt Werle. Die Bürohunde dürfen ausschließlich die zuvor angemeldeten Räume nutzen. An jeder betreffenden Tür hängt ein Schild mit Foto des Hundes sowie einem Hinweis, ob er aktuell im Büro ist. Kexel erläutert: „Studierende können ihre Hunde leider nicht mitbringen, da sie keine festen Büroräume haben.“

Bevor ein Hund jedoch überhaupt mitkommen darf, braucht er eine offizielle Zulassung als Bürohund – alle anderen Hunde sind in den Gebäuden der Universität grundsätzlich nicht gestattet. Entsprechend dem Konzept können die Tiere dafür entweder eine Begleithundeprüfung absolvieren oder eine dreimonatige Probezeit durchlaufen. Sogenannte Listenhunde – also pauschal als gefährlich eingestufte Rassen – sind ausgeschlossen. Die Hunde müssen geimpft sein, und die Halterinnen und Halter benötigen eine Haftpflichtversicherung. Außerhalb der eigenen Büroräume gilt Leinenpflicht. Läufige Hündinnen dürfen nicht mitgebracht werden.

Silke Werger spielt mit Bürohund Pepe.
Silke Werger spielt mit Bürohund Pepe. Thomas Frey/dpa

Während der Ausarbeitung ihres Konzepts haben sich die Projektleiterinnen auch mit der Stadtverwaltung Ludwigshafen ausgetauscht. Dort können die Beschäftigten bereits seit 2022 ihre Hunde mit ins Büro nehmen. Nach Angaben der Verwaltung kommen derzeit 137 Hunde regelmäßig gemeinsam mit ihren Halterinnen und Haltern zur Arbeit.

„Super Entlastung“

Für Sachbearbeiterin Petra Laux (59) ist die Option, ihre kleine Paula mit an den Arbeitsplatz zu nehmen, eine „super Entlastung“. Nachdem der Malteser-Mix anfangs noch aufgeregt war, schläft er nun häufig im Büro. „Ich gucke dann mal in stressigen Situationen auf meinen Hund, der super entspannt in seinem Körbchen liegt, und denke dann: Ja, ist doch okay.“

Für Finja Grospietsch (37) kam das Bürohunde-Projekt genau zur richtigen Zeit. „Ich bin für die Professur von Kiel nach Koblenz gezogen und dadurch bezüglich Hundebetreuung nicht mehr so stark vernetzt wie vorher – das Konzept hat mir meine Entscheidung für die Universität Koblenz und meinen Umzug leicht gemacht“, sagt die Professorin für Didaktik der Biologie, während ihr Dackel-Mischling Henri in einem Körbchen neben ihrem Schreibtisch liegt.

Bürohund Henri geht angeleint durch ein Büro.
Bürohund Henri geht angeleint durch ein Büro. Thomas Frey/dpa

„Unser Glücksgenerator“

Laika fühlt sich im Büro von Marie Hopp (33) sichtlich wohl – und gibt dieses Gefühl auch an andere weiter: „Ich hatte heute Morgen erst wieder eine Studierende bei mir an der Tür stehen, die gefragt hat, ob sie zum Kraulen reinkommen kann“, erzählt die Juniorprofessorin für bioorganische Chemie. Sie bezeichnet ihren Hund auch als Serotoninkatalysator, „also quasi unser Glücksgenerator“.

Bürohund Laika spielt mit Marie Hopp.
Bürohund Laika spielt mit Marie Hopp. Thomas Frey/dpa

Für Sophie Kohout (30) haben sich ihre Aufgaben im Zentrum für Informations- und Medientechnologie nicht verändert, seit sie ihren Amerikanischen Akita Fenris mitbringen darf. Der große Hund liegt fest unter ihrem Schreibtisch und strahlt Ruhe und Gelassenheit aus.

Auch der junge Kleinpudel Pepe von Silke Werger (60) wurde von den meisten im Team positiv aufgenommen. „Es gibt natürlich auch Kollegen, die sagen, sie können mit Tieren nicht so viel anfangen, aber da muss er ja auch nicht zu denen hin. Das ist vollkommen okay“, sagt Werger.

Alle Beteiligten wünschen sich, dass das zunächst auf ein Jahr angelegte Pilotprojekt dauerhaft fortgeführt wird. Bisher habe es weder Zwischenfälle noch nennenswerte Kritik gegeben, berichten die Projektleiterinnen. Entsprechend blicken sie zuversichtlich in die Zukunft.