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Adoption aus dem Tierschutz

Martin Rütter warnt: „Wenn du den Hund sofort bekommen kannst: Finger weg“

Hundetrainer Martin Rütter warnt vor einer vorschnellen Adoption eines Tierschutzhundes.
Hundetrainer Martin Rütter warnt vor einer vorschnellen Adoption eines Tierschutzhundes. imago images/Georg Ulrich Dostmann
Martin Rütter erklärt, worauf du bei der Aufnahme eines Tierschutzhundes achten solltest. Einige Warnsignale können auf eine unseriöse Vermittlung hinweisen.

Viele Menschen wünschen sich einen Hund aus dem Tierschutz – und möchten einem Tier damit eine neue Chance geben. Doch gerade bei der Vermittlung kommt es darauf an, genau hinzuschauen: Seriöse Abläufe brauchen Zeit, Prüfung und Beratung. Wer einen Tierschutzhund adoptieren möchte, sollte deshalb bestimmte Warnsignale kennen, erklärt Hundeprofi Martin Rütter im Interview mit der „Rheinischen Post“.

Eine Adoption sollte aus seiner Sicht nie spontan entschieden werden. Besonders hellhörig sollten künftige Halterinnen und Halter werden, wenn ein Hund sehr schnell vermittelt werden soll: „Wenn du den Hund sofort bekommen kannst: Finger weg.“ Das gelte laut Rütter nicht nur für Tierschutzvereine, sondern auch für Züchterinnen und Züchter. „Niemals würde ich einen Hund nur aus dem Internet nehmen, ich würde ihn immer vorher kennenlernen wollen“, so der Hundetrainer.

Tierschutzhund adoptieren: Hund und Mensch müssen zusammenpassen

Wer einen Tierschutzhund aufnehmen möchte, sollte nicht nur auf Fotos oder Beschreibungen vertrauen. „Wichtig ist auch, dass der Verein prüft, ob es passt mit dir und dem Hund, und zur Nachkontrolle kommt“, so Rütter. Er rät außerdem dazu, das Impressum des Vereins zu prüfen und zu schauen, ob dieser in Deutschland registriert ist. Auch Einrichtungen im Ausland könnten über in Deutschland registrierte Vereine betrieben werden. Zusätzlich empfiehlt er, im Internet nach Erfahrungen mit dem jeweiligen Verein zu suchen: „So bekommt man ein Stimmungsbarometer.“

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Besonders kritisch sieht der Hundetrainer Situationen, in denen Interessierte am Telefon sagen, sie wollten den Hund an einem bestimmten Tag abholen – und direkt eine Zusage erhalten. Bei einer seriösen Vermittlung sollte so eine schnelle Übergabe nicht ohne weitere Prüfung möglich sein.

Warum ein Tierschutzhund nicht automatisch dankbar ist

Im Interview geht der TV-Hundetrainer auch auf eine weit verbreitete Erwartung ein, die viele Menschen mit Tierschutzhunden verbinden: die Idee, dass ein Hund besonders dankbar sei, weil er aus einem Tierheim oder Shelter geholt wurde. „Nein, das ist nicht so“, betont er. „Aber wenn zwischen dem Halter und dem Hund eine tiefe Bindung und Vertrauen entstehen, dann ist das schon sehr besonders.“

Für die ersten Tage nach der Aufnahme empfiehlt Rütter, den Hund zunächst ankommen und durchschnaufen zu lassen. Es gebe aber nicht „den Tierschutzhund“: Jeder Hund habe eigene Erfahrungen gemacht. Nicht jeder sei im Tierheim oder Shelter gelandet, weil es vorher Probleme gegeben habe.

Auch Beratung spielt für den Hundeprofi eine Rolle. Menschen, die einen Tierschutzhund aufnehmen möchten, sollten sich möglichst vorab unterstützen lassen. Viele Hundeschulen böten Beratung an. Wenn der Hund eingezogen ist, könne zudem Begleitung durch Hundetrainerinnen oder Hundetrainer sinnvoll sein. „Es liegt nicht immer am Hund, wenn es Probleme gibt, und es liegt auch nicht immer am Tierschutzverein, wenn eine Vermittlung schiefgeht“, erklärt Rütter im Interview.

Tierschutzhund aus dem Ausland: Welpen unter 16 Wochen sind problematisch

Ein weiterer Punkt betrifft die Einreise von Hunden aus dem Ausland. Der Hundetrainer weist darauf hin, dass der Hund einen registrierten Impfpass haben muss. Welpen, die jünger als 16 Wochen sind, dürften nicht nach Deutschland gebracht werden, weil sie noch keinen vollständigen Impfschutz haben. „Wenn dir also jemand einen jüngeren Welpen aus dem Ausland vermitteln will: ebenfalls Finger weg“, warnt Rütter.

Auch die Kosten sollten vor der Aufnahme realistisch bedacht werden. Dazu gehören unter anderem Futter, Versicherung, medizinische Versorgung, Hundeschule und mögliches weiteres Training. Dabei kann laut Rütter über das Leben des Hundes eine hohe Summe zusammenkommen – unabhängig davon, ob der Hund aus dem Tierschutz oder von Züchterinnen und Züchtern stammt.