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Zu viele Hormone

Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen: Diese ersten Symptome übersehen viele

Erschien in Kooperation mit
Katze trinkt viel: Das kann ein Symptom für eine Schilddrüsenüberfunktion sein.
Katze trinkt viel: Das kann ein Symptom für eine Schilddrüsenüberfunktion sein. Getty Images
Frisst deine Katze plötzlich mehr und nimmt trotzdem ab, kann eine Schilddrüsenüberfunktion dahinterstecken. Früh erkannt lebt das Tier oft gut damit.

Die Schilddrüse deiner Katze liegt paarig am Hals unterhalb des Kehlkopfs. Wie beim Menschen produziert dieses Organ lebenswichtige Hormone. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion, fachsprachlich Hyperthyreose, arbeitet die Schilddrüse zu aktiv und gibt zu viele Hormone in den Blutkreislauf ab. Das wirkt sich auf den gesamten Körper aus.

Am häufigsten tritt die Schilddrüsenüberfunktion bei älteren Katzen auf, meist ab einem Alter von acht Jahren. Etwa jede fünfte Katze ab zehn Jahren ist betroffen. Die Erkrankung ist chronisch und nicht heilbar. Tierärztinnen und Tierärzte können sie aber so behandeln, dass betroffene Tiere oft noch lange gut damit leben.

Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen: Diese Symptome sind typisch

Ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen wie Thyroxin (T4), Trijodthyroxin (T3) und Calcitonin bringt viele Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht. Betroffen sind vor allem das Herz-Kreislauf-System, der Energiestoffwechsel, die Nervenzellen und die Verdauung. Weil all diese Systeme überaktiv werden, kann sich eine Hyperthyreose bei Katzen sehr unterschiedlich zeigen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann sich durch folgende Symptome äußern:

  • erhöhte Herzfrequenz
  • erhöhter Blutdruck
  • erhöhte Körpertemperatur
  • gesteigerter Appetit
  • gesteigerter Durst
  • gesteigerte Aktivität
  • Gewichtsverlust
  • Unruhe
  • vermehrtes Wasserlassen
  • Haarausfall
  • Putzunlust
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Schwäche
  • Atembeschwerden
  • Nierenprobleme
     

Viele Katzenhalterinnen und Katzenhalter bemerken zunächst, dass ihre Katze mehr frisst und trotzdem abnimmt. Dazu kommen oft Unruhe, Nervosität und manchmal auch ein verändertes Verhalten. Manche Tiere reagieren plötzlich aggressiv oder scheu, obwohl sie vorher ausgeglichen waren. Weil sie ihre Fellpflege vernachlässigen, wirkt das Fell häufig bald stumpf, struppig und glanzlos.

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Wann du mit deiner Katze zum Tierarzt solltest

Ein unbegründeter Gewichtsverlust ist immer ein Warnsignal. Auch wiederkehrendes Erbrechen oder anhaltender Durchfall sollten tierärztlich abgeklärt werden. Besonders auffällig ist bei einer Schilddrüsenerkrankung oft eine Verhaltensänderung. Wenn Katzenhalterinnen und Katzenhalter das Gefühl haben, dass mit ihrem Tier etwas nicht stimmt, ist dieses Gefühl oft berechtigt.

Das Problem: Häufig haben Herz und Nieren bereits Schaden genommen, wenn die Katze zum ersten Mal untersucht wird. Gerade deshalb ist es wichtig, Veränderungen möglichst früh ernst zu nehmen.

Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen: Diese Möglichkeiten gibt es

Für die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen kommen verschiedene Therapieformen infrage:

  • Medikamente: Ist die gesamte Schilddrüse, also beide Hälften, vergrößert, sind Medikamente meist die richtige und zugleich günstigste Therapie. Ein- bis zweimal täglich verabreicht, hemmen sogenannte Thyreostatika wie Thiamazol oder Carbimazol die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Mögliche Nebenwirkungen sind Appetitverlust, Erbrechen, Blutarmut, Leberprobleme und sehr selten Juckreiz. Die meisten Katzen vertragen diese Mittel jedoch gut. Blutuntersuchungen zeigen oft schon nach wenigen Wochen eine Besserung. Später muss die Dosis manchmal angepasst werden, um sich einem normalen Hormonspiegel möglichst anzunähern. Wenn die Tablettengabe schwierig ist, kann der Wirkstoff alternativ auch über eine Salbe ins Ohr gegeben werden.
  • Radiojod-Therapie: Diese Therapie ist teuer, wirkt aber dauerhaft. Dabei nimmt die Schilddrüse eine radioaktive Jodform auf, wodurch sich Gewebe zurückbildet und insgesamt weniger Hormone produziert werden. Die Behandlung wirkt in der Regel schnell und sehr gut. Ein entscheidender Nachteil ist jedoch die Strahlenbelastung. Deshalb kann sie nicht in jeder Tierarztpraxis durchgeführt werden, sondern nur in einer spezialisierten Klinik. Dort muss die Katze bis zu zwei Wochen bleiben. Selten führt die Radiojod-Therapie zu einer Schilddrüsenunterfunktion.
  • Operation: Ist nur eine der beiden Schilddrüsenhälften vergrößert, kann sie chirurgisch entfernt werden. Danach klingen die Symptome meist vollständig ab.
  • Futterumstellung: In manchen Fällen kommt für betroffene Katzen ein Futter infrage, das deutlich weniger Jod enthält als herkömmliches Futter. Ohne ausreichend Jod kann die Schilddrüse ihre Hormone nicht herstellen, sodass der Hormonspiegel im Blut sinkt.
     

Welche Behandlung für deine Katze die richtige ist, solltest du gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt besprechen. Viele Katzenhalterinnen und Katzenhalter fragen außerdem nach homöopathischen Mitteln, die ebenfalls Hilfe bei einer Schilddrüsenüberfunktion versprechen. Solche Präparate sollten aber höchstens ergänzend eingesetzt werden, weil ihre Wirkung wissenschaftlich nicht belegt ist. Wer seine Katze ausschließlich homöopathisch behandeln lässt, riskiert, die Hyperthyreose nicht rechtzeitig in den Griff zu bekommen.

Lebenserwartung bei Schilddrüsenüberfunktion: Wie lange kann eine Katze leben?

Ohne Behandlung endet eine Schilddrüsenüberfunktion langfristig tödlich. Der dauerhaft erhöhte Hormonspiegel treibt den Stoffwechsel auf Hochtouren und belastet Herz und Kreislauf stark. Im Endstadium sterben betroffene Katzen an Schäden an Nieren, Herz oder Leber.

Wird die Erkrankung erst spät behandelt, können bereits Folgeschäden entstanden sein. Möglich sind Veränderungen am Herzen, Nierenschäden oder Wasser in der Lunge. Auch die Netzhaut kann durch den dauerhaft hohen Blutdruck geschädigt werden. In der Folge kann eine Katze durch die Schilddrüsenüberfunktion sogar erblinden.

Hat ein Tier bereits das Endstadium erreicht, kann es für Katzenhalterinnen und Katzenhalter die beste Entscheidung sein, es von seinem Leid zu erlösen. Die meiste Erfahrung mit schilddrüsenkranken Katzen haben Tierärztinnen und Tierärzte. Sie können einschätzen, wann der Zeitpunkt zum Einschläfern gekommen ist. Wird die Krankheit jedoch früh erkannt, ist eine Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen gut behandelbar. Dann kann das Tier oft noch lange zufrieden und schmerzfrei leben.

Die richtige Ernährung bei Schilddrüsenüberfunktion der Katze

Die Schilddrüse braucht Jod, um Hormone zu bilden. Jod wird ausschließlich über die Nahrung aufgenommen, der Körper kann es nicht selbst herstellen. Deshalb klingt es zunächst schlüssig, einer erkrankten Katze ein Diätfutter mit sehr wenig Jod zu geben, um die Schilddrüsenüberfunktion zu bremsen.

Für Katzen mit noch nicht allzu hohen Hormonspiegeln kann eine Spezial-Ernährung tatsächlich eine mögliche Behandlungsoption sein. Häufig reicht ein solches Futter allein jedoch nicht aus. Katzenhalterinnen und Katzenhalter sollten deshalb immer mit ihrer Tierärztin oder ihrem Tierarzt besprechen, was für das Tier am besten ist. Klar ist: Das Futter einer Katze mit Schilddrüsenüberfunktion sollte nicht jodreich sein, damit die Erkrankung über die Ernährung nicht zusätzlich angeheizt wird. Ob das bisherige Futter weiter infrage kommt oder eine Futterumstellung sinnvoll ist, kann die Tierarztpraxis am besten einschätzen.

Diagnose: So wird eine Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen festgestellt

Besteht der Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion, etwa weil die vergrößerte Schilddrüse schon ertastet werden kann, nimmt die Tierärztin oder der Tierarzt der Katze Blut ab. Die gemessenen Hormonspiegel liefern oft bereits einen klaren Hinweis. Trotzdem sollten auch andere Erkrankungen, etwa von Herz und Nieren, ausgeschlossen werden.

Zusätzlich kann die Aktivität der Schilddrüse wie beim Menschen mithilfe einer Szintigrafie untersucht werden. Dabei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren, bei dem schwach radioaktive Substanzen gespritzt werden. Bei Katzen ist diese Untersuchung für eine eindeutige Diagnose aber häufig nicht nötig. Mithilfe von Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen lässt sich außerdem beurteilen, wie stark Herz und andere Organe bereits geschädigt sind.

Ursachen der Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen

Der Grund für die Überfunktion ist eine Vergrößerung der Schilddrüse. Wenn mehr Schilddrüsengewebe vorhanden ist, werden auch mehr Hormone gebildet. In den meisten Fällen steckt dahinter ein gutartiges Wachstum.

Warum sich die Schilddrüse vergrößert, ist nicht eindeutig geklärt. Bei 30 Prozent der betroffenen Katzen ist ein gutartiger Tumor, ein sogenanntes Adenom, an einem der beiden Schilddrüsenlappen die Ursache. Bei 70 Prozent der erkrankten Tiere ist die gesamte Drüse vergrößert.

Nur selten wird ein bösartiger Tumor, ein Adenokarzinom, an der Schilddrüse entdeckt, der den Hormonhaushalt durcheinanderbringt.

Schilddrüsenunterfunktion bei Katzen ist selten

Während eine Schilddrüsenüberfunktion bei älteren Katzen vergleichsweise häufig vorkommt, ist eine Schilddrüsenunterfunktion, bei der das Organ zu wenige Hormone produziert, bei Katzen kaum zu beobachten.

Quellen:

  • Online-Information Medizinische Kleintierklinik (Ludwig Maximilians Universität München): www.med.vetmed.uni-muenchen.de; Abruf: 24.02.2021
  • Online-Information Tierärzteverband: www.tieraerzteverband.de; Abruf: 24.02.2021
  • Online-Information Tierärzteverlag: www.tieraerzteverlag.at; Abruf: 24.02.2021
     

Von Sina Horsthemke

Das Original zu diesem Beitrag "Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze" stammt von FOCUS Tierarzt.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn Symptome anhalten, sich verschlimmern oder du unsicher bist, wende dich bitte an eine Tierarztpraxis.