Warum Katzenseuche so gefährlich ist – und wie du dein Tier schützt
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Was ist Katzenseuche?
Die Erkrankung, die bei vielen Halterinnen und Haltern Angst auslöst, trägt verschiedene Bezeichnungen. Tierärzte sprechen von „Feline Panleukopenie“ oder „Parvovirose“, im Alltag hört man auch die Begriffe „Katzenstaupe“ oder „Katzenpest“. Hinter all diesen Namen steckt eine Infektion mit dem Felinen Parvovirus (FPV), die besonders häufig Jungtiere trifft und oft tödlich endet.
Das Virus, das unter anderem über Futter, Spielzeug oder Kot von Katze zu Katze übertragen wird, ist extrem widerstandsfähig und dadurch hochgradig ansteckend. Dringt FPV in den Organismus ein, vermehrt es sich innerhalb von 18 bis 24 Stunden zunächst im Bereich von Maul und Rachen. Anschließend gelangt es über den Blutkreislauf in den gesamten Körper und schädigt vor allem Gewebe mit rasch teilenden Zellen, also Lymphknoten, Milz, Knochenmark und Darmschleimhaut.
Da Parvoviren einen massiven Rückgang der weißen Blutkörperchen verursachen, entsteht bei infizierten Katzen eine deutliche Immunschwäche, wodurch bakterielle Erreger leichtes Spiel haben. Vorbeugen lässt sich die Panleukopenie – am wirksamsten durch eine Impfung bereits in den ersten Lebenswochen.
Katzenseuche: typische Anzeichen und Krankheitsformen
Wie schwer eine Katze erkrankt, hängt vor allem von ihrem Alter und der Stärke der Immunabwehr ab. Fachleute unterscheiden mehrere Verlaufsformen, die sich in Erscheinungsbild und Schwere deutlich unterscheiden:
- Perakute Katzenseuche: Diese Ausprägung tritt vor allem bei zwei bis drei Monate alten Katzen auf, deren Immunsystem noch wenig belastbar ist. Die Tiere zeigen zunächst kaum Auffälligkeiten, entwickeln dann unvermittelt hohes Fieber und sterben kurz nach Krankheitsbeginn oft an einem septischen Schock.
- Akute Katzenseuche: Bei dieser Form steigt die Körpertemperatur plötzlich an, fällt wieder ab und steigt erneut; die Katzen wirken teilnahmslos und erschöpft. Häufig verweigern sie das Futter, kurz darauf kommt es meist zu anhaltendem Erbrechen und mitunter zu Durchfall, der später blutig werden kann. Dadurch trocknen die Tiere rasch aus. Die Heilungschancen sind am größten, wenn ein Tierarzt frühzeitig eine geeignete Therapie startet.
- Subakute Katzenseuche: Hieran erkranken in der Regel erwachsene Tiere mit stabiler Abwehrlage. Bis auf eine gewisse Müdigkeit und wenige Tage Durchfall fallen kaum Beschwerden auf. Der Verlauf ist relativ mild und die Erkrankung gefährdet das Leben der Katze nicht.
Eine besondere Form, die „intrauterine Katzenseuche“, betrifft ungeborene Kitten, die sich noch in der Gebärmutter (Uterus) der Mutter befinden. Kommt es im ersten Drittel der Trächtigkeit zur Infektion, sterben die Feten ab und werden vom Körper der Katze wieder aufgenommen. In der mittleren Phase der Trächtigkeit kommt es durch Katzenseuche häufig zu Fehlgeburten. Werden die Feten im letzten Drittel, also kurz vor dem Geburtstermin, angesteckt, kommen die Jungen mit neurologischen Störungen („felines Ataxie-Syndrom“) oder blind zur Welt.
Impfung gegen Katzenseuche: Ablauf und Schutzdauer
Vor allem wegen der hohen Umweltstabilität des Erregers gilt die Impfung als effektivste Vorsorge gegen Katzenseuche. Fachleute raten, Katzen im Alter von frühestens sechs, spätestens acht Wochen erstmals gegen Parvovirose zu impfen und die Grundimmunisierung anschließend zwei weitere Male im Abstand von jeweils drei bis vier Wochen zu wiederholen. Danach genügt in der Regel eine jährliche Auffrischung. Auch Wohnungskatzen sollten diese Impfung erhalten, da Menschen das Virus indirekt über Schuhe oder Kleidung einschleppen können.
Für die Impfung – in der Regel wird ein Kombipräparat gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche verwendet – müssen Halterinnen und Halter mit rund 30 bis 60 Euro pro Injektion rechnen. Ein Ausbruch von Katzenseuche trotz Impfung ist eher selten: Der eingesetzte Impfstoff ist ein sogenannter Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Erregern und schützt zuverlässig vor einer Infektion.
Katzenseuche: wann du unbedingt zum Tierarzt musst
Bei einer mit Panleukopenie infizierten Katze kann sich der Gesundheitszustand sehr schnell und deutlich verschlechtern. Zeigt ein Tier ohne erkennbare Ursache plötzlich Durchfall und hohes Fieber oder erbricht immer wieder, sollte unbedingt ein Tierarzt oder eine Tierärztin hinzugezogen werden. Eine Kotprobe kann mittels Schnelltest auf Parvoviren untersucht werden. Zusätzlich liefert eine Blutuntersuchung Hinweise auf eine Infektion: Vor allem die Zahl der weißen Blutkörperchen ist bei Katzenseuche stark reduziert.
Im Gegensatz zu einigen anderen ansteckenden Krankheiten unterliegt Katzenseuche keiner Meldepflicht. Vermutest du bei deiner Katze Katzenseuche, solltest du vorab telefonisch mit der Praxis klären, wie du vorgehen sollst, damit sich im Wartezimmer keine weiteren Tiere anstecken.
Katzenseuche: Behandlung und Heilungschancen
Zu Beginn der Therapie steht die Stabilisierung des Kreislaufs im Vordergrund: Durch Erbrechen und Durchfall verliert die Katze Flüssigkeit und Salze, wodurch der Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt aus der Balance gerät. Infusionen in der Tierarztpraxis gleichen diese Verluste aus. Ergänzend kommen Medikamente gegen Übelkeit und Durchfall zum Einsatz. Seit einiger Zeit werden zudem Antikörper genutzt, die das Immunsystem unterstützen, sowie sogenannte Interferone, die die Vermehrung des Virus hemmen. In schweren Fällen ist eine Bluttransfusion (Blutübertragung) notwendig.
Da Katzenseuche die Abwehrkräfte massiv schwächt, steigt die Anfälligkeit für andere Infektionen deutlich. Liegen bereits bakterielle Infekte (sogenannte Superinfektionen) vor, benötigt die Katze zusätzlich ein Antibiotikum.
Ohne tierärztliche Behandlung sterben zwischen 25 und 90 Prozent der erkrankten Tiere an Katzenseuche. War die Katze zuvor in guter Allgemeinverfassung und kommt sie rasch in tierärztliche Betreuung, sind die Überlebenschancen bei Parvovirose jedoch günstig. Übersteht eine Katze die Erkrankung, sind langfristige Folgen nicht zu erwarten.
Übertragung von Katzenseuche und Ansteckungswege
Parvoviren sind leider äußerst robust: Sie können längere Zeit an Spielzeugen haften bleiben und finden sich etwa im Futternapf, aus dem zuvor ein erkranktes Tier gefressen hat. Hat eine infizierte Katze engen Kontakt zu Artgenossen, reicht oft schon das gegenseitige Beschnuppern für eine Ansteckung. Zudem scheiden Katzen das Virus nach überstandener Erkrankung noch bis zu sechs Wochen lang über den Kot aus, obwohl sie wieder gesund wirken. Im Umfeld liegender Kot mit hoher FPV-Konzentration bleibt über Monate bis Jahre infektiös.
Beim Hund rufen Parvoviren ähnliche Krankheitszeichen hervor wie bei der Katze – auch Hunde können gegen Parvovirose geimpft werden. An Katzenseuche selbst erkrankt ein Hund jedoch nicht. Eine Übertragung auf Menschen findet bei Panleukopenie ebenso wenig statt. Menschen können das Virus aber dennoch in die Wohnung tragen und so Katzen anstecken – etwa über Partikel, die an Schuhen oder Kleidung haften.
Quellen:
- Leitlinie: Impfung von Kleintieren (Ständige Impfkommission Veterinärmedizin); Stand: 01.01.2021
- Online-Information Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: www.bmel.de;Abruf: 19.02.2021
- Online-Information Tierärzteverband: www.tieraerzteverband.de; Abruf: 19.02.2021
Von Sina Horsthemke
Das Original zu diesem Beitrag "Katzenseuche" stammt von FOCUS Tierarzt.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn Symptome anhalten, sich verschlimmern oder du unsicher bist, wende dich bitte an eine Tierarztpraxis.
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