Mastzelltumor: Warum für deinen Hund selbst kleine Knubbel gefährlich sein können
,regionOfInterest=(750,423)&hash=ae9f28d37c45c387df7db55251b43b4a5bfcb4175933bcae55dfe55e6fde9e20)
Mastzellen sind Teil des Immunsystems deines Hundes und unter anderem an Allergien sowie Entzündungen beteiligt. Sie können biologische Stoffe wie Histamin und Heparin freisetzen, die als Botenstoffe zum Beispiel allergische oder entzündliche Reaktionen auslösen. Gebildet werden Mastzellen im Knochenmark, danach gelangen sie ins Blut und setzen sich im Gewebe fest. Entartet eine solche Zelle im Gewebe, entsteht ein Mastzelltumor, kurz MZT; seltener werden auch die Begriffe Mastozytom oder Mastosarkom verwendet. Ein Mastzelltumor beim Hund kann Metastasen bilden und sich dadurch im Körper ausbreiten.
Diese Tumoren zählen beim Hund zu den häufigsten Hauttumoren. Seltener sind auch innere Organe betroffen. Weil sich ein Mastzelltumor beim Hund in Aussehen, Wachstum und Ausbreitungsverhalten sehr unterschiedlich zeigen kann, wird er nach der Operation untersucht. So lässt sich die geeignetste Behandlung auswählen und die Prognose besser beurteilen.
Mastzelltumor beim Hund: Symptome früh erkennen
Ein Mastzelltumor kann in jedem Lebensalter entstehen, tritt aber meist eher bei älteren Hunden auf; das Durchschnittsalter liegt bei neun Jahren. In vielen Fällen zeigt er sich als einzelner Hautknoten, der sehr unterschiedlich aussehen kann. Mitunter entstehen auch mehrere Mastzelltumoren gleichzeitig.
Besonders oft sitzen Mastzelltumoren beim Hund an Beinen und Pfoten, am Rumpf beziehungsweise Bauch oder am Kopf, also etwa an Schnauze oder Lefze. Auch im Dammbereich zwischen Anus und Vulva beziehungsweise Hodensack kommen sie gehäuft vor, weshalb du auch diese Region „unterm Schwanz“ regelmäßig ansehen solltest. Ebenso besteht in Hautarealen mit chronischen Entzündungen, Brandnarben und Ähnlichem ein erhöhtes Risiko. Grundsätzlich können Mastzelltumoren jedoch überall am Körper des Hundes auftreten.
Der entstandene Knubbel ist zunächst kleiner als eine Erbse, kann jedoch rasch größer werden. Wie groß er ist, hängt daher auch davon ab, wie früh er bemerkt wird. Bei langem Fell, an schwer einsehbaren Stellen wie der Leiste oder bei Hunden mit wenig engem Menschenkontakt fällt ein Mastzelltumor manchmal erst auf, wenn er haselnussgroß oder noch größer ist. Er kann sich weich-teigig oder fest-knotig anfühlen, behaart oder haarlos sein und teilweise auch wund oder nässend wirken.
Mitunter wirkt der Mastzelltumor auch wie eine blutende oder schlecht heilende oberflächliche Verletzung. Durch die Stoffe, die aus den entarteten Mastzellen freigesetzt werden, können Juckreiz, Schmerzen, Blutungsneigung und gestörte Heilung auftreten, teils auch an anderen Körperstellen. Verdächtig sind außerdem eine plötzliche Vergrößerung und/oder Rötung des Knotens nach dem Tasten oder Kratzen.
Durch seine bioaktiven Substanzen kann ein Mastzelltumor Magen- und Darmgeschwüre verursachen und daher mit Erbrechen, Bauchschmerzen, Appetitmangel oder sehr dunklem Kot durch verdautes Blut verbunden sein. Eine besonders gefürchtete Folge von Mastzelltumoren ist ein allergisches Schockgeschehen, das akut lebensbedrohlich werden kann. Hinweise auf dieses Kreislaufversagen sind unter anderem plötzliches Zittern, Hecheln, Apathie, blasse Schleimhäute und der Verlust der Stehfähigkeit.
Wann dein Hund mit Mastzelltumor zum Tierarzt muss
Weil ein Mastzelltumor sehr unterschiedlich aussehen kann und sich nicht von anderen, auch gutartigen, Hautknoten unterscheiden lässt, solltest du deinen Hund mit jeder neu aufgetretenen Hautveränderung in der Tierarztpraxis untersuchen lassen. Je früher ein Mastzelltumor erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Vereinbare in den nächsten Tagen einen Termin in der Tierarztpraxis:
- wenn du bei deinem Hund einen Hautknoten oder eine örtlich begrenzte Hautveränderung bemerkst, die nicht innerhalb einer Woche verschwindet
- wenn ein Hautknoten größer wird oder sich verändert
- wenn dein Hund an einem Hautknoten kratzt, leckt oder dort empfindlich reagiert
- wenn eine oberflächliche Verletzung oder lokale Hautentzündung nicht innerhalb einer Woche abheilt oder erneut auftritt
Vereinbare noch am selben Tag einen Termin in der Tierarztpraxis:
- wenn ein Hautknoten blutet oder nässt
- wenn du bei deinem Hund Erbrechen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit oder sehr dunklen Kot bemerkst
- wenn bei deinem Hund unstillbarer Juckreiz oder plötzlich auftretende Schwellungen/Knubbel der Haut vorkommen
- wenn dein Hund plötzlich ein schlechtes Allgemeinbefinden zeigt und krank oder matt wirkt
So wird ein Mastzelltumor beim Hund diagnostiziert
Der Tierarzt oder die Tierärztin macht zunächst eine allgemeine Untersuchung bei deinem Hund und fragt dich zum Beispiel, seit wann du den Hautknoten bemerkst, ob er sich seitdem verändert hat und ob dein Hund Juckreiz oder Unwohlsein zeigt.
Da sich ein Mastzelltumor in Aussehen und Konsistenz nicht von anderen, auch gutartigen, Hautknoten abgrenzen lässt, ist eine Zytologie nötig, also eine mikroskopische Untersuchung von Zellen. Dazu führt der Tierarzt eine Feinnadelaspiration durch. Das heißt: Der Hautknoten wird desinfiziert und anschließend mit einer Kanüle punktiert.
Mit einer aufgesetzten Spritze entnimmt der Tierarzt etwas Gewebe aus der Hautveränderung. Dieses wird danach angefärbt und in einem Labor auf Tumorzellen untersucht.
Wird bei dieser mikroskopischen Gewebeuntersuchung die Diagnose Mastzelltumor gestellt, sollte der Tumor operativ entfernt und vollständig an ein pathologisches Labor geschickt werden. Dort erfolgt eine genaue Tumordiagnostik mit wichtiger Einteilung, außerdem wird geprüft, ob der Mastzelltumor komplett entfernt wurde. Das ist sowohl für die weitere Behandlung als auch für die Einschätzung von Heilungschance und Lebenserwartung bedeutsam.
Die Einteilung der Mastzelltumoren reicht von Grad 1 für gut differenziert bis Grad 3 für undifferenziert oder erfolgt als Low Grade beziehungsweise High Grade. Dafür beurteilt der Pathologe das Tumorgewebe unter dem Mikroskop. Verschiedene Zellmerkmale liefern Hinweise auf das Verhalten des Tumors und damit auf die Prognose für den Hund. Während ein gut differenzierter Mastzelltumor vom Grad 1 häufig gut behandelbar ist, zeigt sich Grad 3 eher aggressiv und schwer vorhersehbar, mit ungünstigen Heilungschancen.
Zusätzlich tastet der Tierarzt oder die Tierärztin die benachbarten Lymphknoten ab und entnimmt gegebenenfalls ebenfalls mittels Feinnadelaspiration eine Gewebeprobe, um Metastasen nachzuweisen oder auszuschließen. Bei Mastzelltumoren des Grads 3 wird außerdem der Bauchraum per Ultraschall untersucht, um einen Befall innerer Organe zu erkennen oder auszuschließen.
Neben dem Grad sind auch das Stadium der Tumorerkrankung und die Körperstelle, an der der Tumor entstanden ist, wichtig für die Behandlungsmöglichkeiten und die Lebenserwartung. Tumoren in bestimmten Regionen, etwa in der Leistengegend oder am Krallenbett, verhalten sich oft aggressiver. Zudem beeinflusst die Körperregion, ob der Tumor vollständig entfernt werden kann.
Behandlung des Mastzelltumors beim Hund
Ein festgestellter Mastzelltumor sollte zeitnah in einer Tierarztpraxis oder Tierklinik chirurgisch entfernt werden. Für den Eingriff ist meist eine Vollnarkose erforderlich. Da sich häufig auch in der Umgebung eines Mastzelltumors Tumorzellen befinden, wird mit einem möglichst breiten Sicherheitsrand von bis zu drei Zentimetern operiert, und auch die Haut über dem Hautknoten wird mit entfernt.
Weil Mastzelltumoren nicht selten über das Lymphsystem streuen, gibt es Empfehlungen, regionale Lymphknoten oder sogenannte „Wächterlymphknoten“ in der Umgebung des Tumors ebenfalls mit zu entfernen. Der Tumor wird zusammen mit dem umliegenden Gewebe zur Untersuchung an ein pathologisches Labor eingesendet.
Wurde ein Mastzelltumor vom Grad 1 oder 2 vollständig entfernt, sind meist keine weiteren Behandlungen nötig und die Prognose ist gut. War die Entfernung unvollständig beziehungsweise finden sich Tumorzellen am Rand des Operationsfeldes, sollte eine zweite Operation oder eine Bestrahlung erwogen werden.
Auch eine Kombination beider Maßnahmen ist möglich. Ein Mastzelltumor vom Grad 3 hat eine ungünstige Prognose und macht weitere Untersuchungen und Behandlungen erforderlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor bereits gestreut hat, ist hoch und liegt bei 50 bis 90 Prozent. Um das Tumorwachstum zu bremsen oder sogar zu verhindern, kann eine Chemotherapie erfolgen. Lass dich dazu ausführlich in einer onkologischen Tierarztpraxis oder Tierklinik beraten.
Ist ein Tumor nicht oder nicht vollständig operabel, etwa weil er am Augenlid sitzt, kann eine Strahlentherapie eingesetzt werden. Auf diesem Weg lassen sich bis zu zwei Drittel der Mastzelltumoren vom Grad 1 und 2 heilen. Bei sehr großen Mastzelltumoren kann eine Bestrahlung vor der Operation bewirken, dass sie kleiner werden und sich dadurch besser entfernen lassen. Ähnliches kann versucht werden, indem Kortison in den Tumorbereich gespritzt wird; diese Behandlung ist jedoch umstritten und sollte nur erfolgen, wenn andere Therapiemöglichkeiten nicht infrage kommen.
Zeigt der Hund mit Mastzelltumor Anzeichen von Magen- und Darmgeschwüren, Juckreiz oder allergischen Reaktionen, erhält er entsprechende Medikamente, unter anderem Antihistaminika. Es gibt nur wenige Gründe, einen Mastzelltumor beim Hund nicht zu operieren. Dazu zählen ein sehr hohes Alter und/oder schwere Begleiterkrankungen, inoperable Metastasen oder wenn der Tierhalter die Kosten der Operation nicht tragen kann.
Kosten der Mastzelltumor-Behandlung beim Hund
Die erforderliche Diagnostik und die passende Behandlung eines Mastzelltumors sind aufwendig. Deshalb entstehen selbst bei einem Mastzelltumor Grad 1 von der ersten Untersuchung mit Punktion und Labor über die Operation und Nachsorge bis zur Tumoruntersuchung in der Pathologie Kosten im vierstelligen Bereich.
Werden eine weitere Operation, Bestrahlung und/oder Chemotherapie nötig, steigt diese Summe deutlich an. Eine Tumorerkrankung kann jeden Hund treffen. Sorge deshalb vor, indem du einen passenden Betrag für den Notfall zurücklegst oder besser noch eine Tierkrankenversicherung für deinen Hund abschließt.
Lebenserwartung und Heilung bei Mastzelltumoren
Ob ein Mastzelltumor beim Hund vollständig heilbar ist und wie es um Überlebenschance und Lebenserwartung steht, hängt vor allem vom Differenzierungsgrad des Tumors ab, also von Grad 1, Grad 2 oder Grad 3. Daneben spielen auch Tumorstadium und Tumorgröße sowie die Körperregion, in der der Tumor entstanden ist, eine Rolle. Nicht zuletzt beeinflusst die gewählte Therapie, ob eine Heilung möglich ist.
Bei einer schweren Tumorerkrankung mit Metastasen geht es vor allem darum, die Lebensqualität zu erhalten und die Überlebenszeit zu verlängern, da eine vollständige Heilung kaum erreichbar ist. Es gibt keinen „gutartigen Mastzelltumor“ beim Hund, der nicht behandelt werden muss.
Wird ein Mastzelltumor des Grads 1 oder 2 beziehungsweise ein Low-Grade-Tumor jedoch vollständig chirurgisch entfernt, ist die Prognose in der Regel gut und eine Heilung wahrscheinlich. Die Lebenserwartung wird dann nicht mehr durch die Tumorerkrankung bestimmt.
Etwas ungünstiger ist die Situation, wenn bereits Lymphknoten beteiligt sind oder körperliche Symptome wie Magen-Darm-Beschwerden oder allergische Reaktionen bestehen. Dann sollte eine intensivere Behandlung erwogen werden, und der Hund sollte regelmäßig zur Kontrolluntersuchung in der Tierarztpraxis vorgestellt werden.
Ähnliches gilt für Mastzelltumoren in bestimmten Körperregionen, weil sie sich unabhängig vom Tumorgrad besonders unvorhersehbar verhalten. Dazu gehören:
- Hodensackbereich, Vulva und Damm
- Schleimhaut und Übergänge zwischen Haut und Schleimhaut z.B. an der Vorhaut, an der Lefze oder am Augenlid
- Leistengegend
- Krallenbett
Mastzelltumoren vom Grad 3 verhalten sich sehr aggressiv und haben deshalb eine ungünstige bis sehr schlechte Prognose für den Hund. Werden sie nur chirurgisch entfernt, liegt die Lebenserwartung meist bei wenigen Wochen bis einigen Monaten.
Durch eine Chemotherapie können Lebensqualität und Überlebenszeit deutlich verbessert beziehungsweise verlängert werden. Dennoch treten nicht selten innerhalb eines Jahres Rezidive auf, das heißt der Tumor wächst erneut, oder es bilden sich Metastasen. Diese können auch die Lymphknoten oder innere Organe betreffen.
Die Lebenserwartung bei der Diagnose Mastzelltumor Grad 3 liegt beim Hund daher leider deutlich unter zwei Jahren, ohne weitere Behandlung bei unter vier Monaten.
Wann ein Hund mit Mastzelltumor eingeschläfert wird
Nicht der Mastzelltumor selbst oder allein die Diagnose führt zur tierärztlichen Empfehlung, einen Hund einschläfern zu lassen. Ausschlaggebend sind das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität des Hundes. Leidet das Tier durch die Tumorerkrankung und mögliche Begleiterscheinungen dauerhaft unter Schmerzen oder starken Einschränkungen, die nicht behandelbar sind, sollte es davon erlöst werden.
Das betrifft vor allem fortgeschrittene Tumorerkrankungen, Metastasen in innere Organe, nicht operable Mastzelltumoren, die bluten und/oder sich entzünden, sowie tumorbedingte Allgemeinerkrankungen, die nicht auf Medikamente ansprechen.
Beobachte deinen Hund genau, achte auf seine Bedürfnisse und sein Verhalten und suche regelmäßig, vor allem im Zweifel, das Gespräch mit deiner Tierarztpraxis. Gemeinsam mit dir wird dort entschieden, ob und wann der richtige Zeitpunkt zum Einschläfern gekommen ist.
Welche Hunderassen oft betroffen sind
Mastzelltumoren können bei allen Hunderassen vorkommen, einige Rassen sind jedoch besonders häufig betroffen, was auf eine genetische Komponente hinweist. Bei Boxern und anderen kurznasigen Rassen treten Mastzelltumoren vermehrt auf, sind bei ihnen aber eher Grad 1 oder 2 und haben nach der Entfernung oft eine gute Prognose.
Diese Hunderassen und Mischlinge aus diesen Rassen haben ein erhöhtes Risiko, einen Mastzelltumor zu entwickeln:
- Boxer
- Boston Terrier, Bull Mastiff, English Bulldog
- Labrador Retriever
- Dackel
- Rhodesian Ridgeback
- Berner Sennenhunde
- Weimeraner
- Shar-Pei
Quellen:
- Nelson, R. W. & Couto, C. G.: Innere Medizin der Kleintiere; Elsevier GmbH; 6. Auflage 2023
- Online-Informationen CVE (Continuing Veterinary Education): seminare.eickemeyer.de; Abruf: 19.04.2023
- Online-Informationen Tierklinik Hoffenheim: www.tierklinik-hofheim.de; Abruf: 19.04.2023
- Online-Informationen LMU München: www.med.vetmed.uni-muenchen.de; Abruf: 19.04.2023
Von Lisa Keil
Das Original zu diesem Beitrag "Der Mastzelltumor beim Hund" stammt von FOCUS Tierarzt.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn Symptome anhalten, sich verschlimmern oder du unsicher bist, wende dich bitte an eine Tierarztpraxis.
,regionOfInterest=(1308,786)&hash=ec8899f71aca3f818fcc3678b1781744890018645c03cef16349b4255f89899e)
,regionOfInterest=(1440,668)&hash=6d7e546483d8d3fd419130d1b88831f4ad69fd99ca23367924387103dfc75c7c)