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Greift die Organe an

Leptospirose: Bis zu 50 Prozent der erkrankten Hunde sterben an der Infektion

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Eine Impfung gegen Leptospirose wird dringend empfohlen.
Eine Impfung gegen Leptospirose wird dringend empfohlen. Getty Images/fstop123
Leptospirose ist eine Infektionskrankheit bei Hunden. Nimmt sie einen schweren Verlauf, kann sie tödlich enden – Halter können jedoch vorbeugen.

Bakterien aus der Gruppe Leptospira verursachen bei Hunden eine schwere Infektionskrankheit, die als „Leptospirose“, „Leptospirosis“, „Weil’sche Krankheit“ oder „Stuttgarter Hundeseuche“ bezeichnet wird. In der medizinischen Fachsprache steht die Endung „-ose“ definitionsgemäß für einen zerstörerischen Vorgang – und genau das geschieht bei Leptospirose: Die Erkrankung greift Leber und Nieren an und kann zudem das Nervensystem, Geschlechtsorgane und weitere Organe betreffen.

Häufig infizieren sich Hunde über Kontakt mit dem Urin wildlebender Nagetiere, der ansteckend sein kann. Auch über Wasser aus Pfützen, Teichen, Tümpeln, feuchten Boden, Speichel, Fruchtwasser, Futter oder Gegenstände ist eine Ansteckung möglich. Da sich Leptospiren bei feuchtwarmem Wetter besonders gut vermehren, tritt Leptospirose bei Hunden vor allem in warmen Regionen wie dem Mittelmeerraum auf und kommt in Deutschland vermehrt im Sommer vor. Inzwischen sind mehr als 250 verschiedene Leptospiren-Stämme bekannt, etwa zehn davon spielen für Hunde eine Rolle.

Leptospirose beim Hund: typische Symptome

Gelangen Leptospiren in die Blutbahn, breiten sie sich rasch im gesamten Körper aus und schädigen vor allem Organe wie Leber, Nieren und Milz. Betroffen sein können außerdem das Nervensystem, die Augen und die Geschlechtsorgane. Wie stark die Symptome ausfallen, hängt davon ab, wie leistungsfähig das Immunsystem des Hundes ist und wie viele Bakterien er aufgenommen hat.

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Je nach Verlauf unterscheiden Tierärzte diese Formen der Leptospirose:

  • Perakute Leptospirose: Diese Form betrifft häufig junge, ungeimpfte Hunde unter sechs Monaten, ihre Überlebenschancen sind gering. Die Bakterien vermehren sich extrem schnell, und schon nach kurzer Zeit stirbt der Hund an Nieren- oder Leberversagen.
  • Subakute Leptospirose: Bei dieser Variante treten plötzlich Fieber und Abgeschlagenheit auf, der Hund erbricht, trinkt sehr viel und muss häufig urinieren. Die Schleimhäute färben sich gelb, oft kommt Nasenbluten hinzu, manchmal auch Atemnot und Husten.
  • Chronische Leptospirose: Bei dieser Form bleibt die Krankheit dauerhaft bestehen und verursacht Nierenentzündungen, Leberentzündungen und langfristig eine Leberzirrhose, bei der das Lebergewebe nach und nach zugrunde geht und sich nicht mehr regenerieren kann.
     

Oft beginnt die Erkrankung mit einem milden Verlauf, was jedoch nicht unterschätzt werden darf. Der betroffene Hund zeigt eher unspezifische Symptome wie Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit und erhöhte Temperatur – also Anzeichen, die viele Ursachen haben können. Deshalb bleibt eine Leptospirose-Infektion manchmal unerkannt. Auch wenn der Hund nicht offensichtlich schwer krank wirkt, scheidet er die Erreger aus und infiziert auf diesem Weg andere Hunde. Auf Dauer können Leber und Nieren geschädigt werden.

Alarmzeichen: Wann zum Tierarzt gehen?

Wenn es einem Hund plötzlich schlecht geht, ist das immer ein Anlass, einen Tierarzt oder eine Tierärztin aufzusuchen. Gelb verfärbte Schleimhäute an Lefzen und Augen sind ebenso ein Warnsignal wie hohes Fieber.

Bei Verdacht auf Leptospirose wird der Tierarzt unter anderem nach Auslandsreisen fragen und dem Hund Blut abnehmen. Liegt eine Infektion mit Leptospirose vor, zeigt die Probe eine gestörte Blutgerinnung. Erhöhte Leber- und Nierenwerte weisen darauf hin, dass Organe bereits geschädigt wurden. Endgültige Sicherheit für die Diagnose bringen ein Antikörpertest oder der Erregernachweis im Urin. Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen machen sichtbar, wie stark die Organe betroffen sind.

Leptospirose beim Hund richtig behandeln

Die geeignete Behandlung einer Leptospirose stützt sich vor allem auf verschiedene Medikamente. Gegen die Bakterien erhält der Hund ein Antibiotikum, zusätzlich kann der Tierarzt Schmerzmittel und Mittel gegen Übelkeit verordnen. Abhängig vom Zustand des Hundes sind Infusionen nötig, um den Kreislauf zu stabilisieren, bei starker Atemnot mitunter sogar Sauerstoff über eine Intubation. Mit einem Harnkatheter kontrolliert der Tierarzt die Nierenfunktion. Da Leptospirose zu Nierenversagen führen kann, muss der Zustand des Hundes eng überwacht werden.

Die Antibiotikatherapie verläuft in zwei Phasen:

  • Phase 1: Die rasch wirkenden Antibiotika dieser Phase – Ampicillin oder Amoxicillin – sind gewissermaßen die Notbremse. Direkt in die Vene gegeben, stoppen sie innerhalb der ersten 24 Stunden die Ausscheidung und Weitergabe der Leptospiren über den Urin. Das schützt andere Tiere vor einer Ansteckung und begrenzt damit die Verbreitung der Leptospiren. Für die vollständige Beseitigung des Keims reichen sie jedoch nicht aus, daher sind in Phase 2 weitere Medikamente erforderlich.
  • Phase 2: Wenn die Symptome abgeklungen sind und sich die Blutwerte normalisiert haben, geht es dem Hund bereits deutlich besser. Dann sollte mit Doxycyclin unbedingt noch ein zweites Antibiotikum eingesetzt werden, das den Erreger vollständig beseitigt und verhindert, dass der Hund Träger von Leptospiren bleibt, also die Bakterien dauerhaft ausscheidet. Doxycyclin gibt der Tierarzt erst, wenn der Zustand des Hundes stabil ist.
     

Je eher der Tierarzt die Leptospirose behandelt, desto kleiner ist das Risiko für Spätfolgen. Eine subakute Leptospirose, die beim Auftreten der ersten Symptome therapiert wird, heilt oft vollständig aus. Sind Nieren und Leber schon geschädigt, wenn die Behandlung beginnt, können Folgeschäden zurückbleiben. Bis zu 50 Prozent der erkrankten Hunde sterben an Leptospirose.

Impfung gegen Leptospirose beim Hund

Es gibt eine wirksame Möglichkeit, einer Leptospirose vorzubeugen: die Impfung. Ein Welpe sollte den Impfstoff mit sechs bis acht Wochen erstmals erhalten, zwei bis vier Wochen später folgt eine zweite Impfung. Danach raten Tierärzte zu einer jährlichen Auffrischung.

Die Impfung gegen Leptospirose zählt unabhängig vom Alter und den Haltungsbedingungen des Hundes zu den sogenannten Pflichtimpfungen. Sie sind trotz dieser Bezeichnung nicht gesetzlich vorgeschrieben, werden aber dringend empfohlen. Dennoch gab es zuletzt immer mehr Fälle in Deutschland. Ursache sind neue Bakterienstämme, gegen die ältere Impfstoffe nicht mehr schützen. Dadurch entsteht auch für Menschen ein Risiko: Leptospirose kann von Hunden auf Menschen übertragen werden. Bislang geschieht das selten: in Deutschland pro Jahr weniger als ein Fall je eine Million Einwohner.

In den meisten Fällen verursacht die Leptospirose-Impfung beim Hund keine Nebenwirkungen, harmlose Impfreaktionen kommen jedoch häufiger vor. Die neuen Impfstoffe lösen beim Tier offenbar etwas öfter körperliche Reaktionen aus, was aber auch ein Zeichen dafür ist, dass das Immunsystem auf die Impfung anspricht und sich gegen die Erkrankung vorbereitet. 

Zu den häufigsten vorübergehenden Nebenwirkungen zählen:

  • erhöhte Temperatur
  • Abgeschlagenheit
  • Appetitverlust
  • eine Schwellung an der Einstichstelle
     

Blutbildveränderungen, Blutungen und Gelenkentzündungen wurden ebenfalls im Zusammenhang mit der Impfung beobachtet, treten jedoch nur sehr selten auf: statistisch bei weniger als einem von 10.000 geimpften Hunden. Ebenso gering ist das Risiko, dass der Vierbeiner als Nebenwirkung eine allergische Reaktion auf die Impfung entwickelt.

Der Impfstoff gegen Leptospirose ist meist Bestandteil eines Kombinationsimpfstoffs, der zusätzlich vor anderen Krankheiten wie etwa Staupe, Parvovirose oder Tollwut schützt. Die Kosten liegen zwischen 50 und 70 Euro.

Quellen:

  • Leitlinie: Impfung von Kleintieren (Ständige Impfkommission Veterinärmedizin); Stand: 01.01.2021
  • Pressemeldung Bundestierärztekammer: Leptospirose auf dem Vormarsch – die richtige Impfung schützt den Hund vor der Zoonose!; 18.05.2016
  • Online-Information Robert Koch Institut: www.rki.de; Abruf: 23.02.2021
  • Online-Information Ständige Impfkommission Veterinärmedizin; www.fli.de; Abruf: 23.02.2021
     

Von Sina Horsthemke

Das Original zu diesem Beitrag "Leptospirose beim Hund" stammt von FOCUS Tierarzt.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn Symptome anhalten, sich verschlimmern oder du unsicher bist, wende dich bitte an eine Tierarztpraxis.