Milben beim Hund: Wann aus Juckreiz ein Problem wird
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Bei Hunden treten Milben, die zu den Spinnentieren zählen, vergleichsweise häufig auf. Die Parasiten gelten zwar grundsätzlich nicht als gefährlich, können aber teils starken Juckreiz und deutliche Entzündungen an Haut oder Ohren hervorrufen. In Europa kommen bei Hunden mehrere Milbenarten vor, die zum Teil verschiedene Beschwerden verursachen. Gerade Ohrmilben zählen zu den häufigsten Auslösern von Ohrentzündungen.
Oft infizieren sich Hunde bei anderen Hunden oder weiteren Tieren mit Milben, manchmal aber auch bei Ausflügen durch Wiesen oder Wälder. Da die Folgen eines Milbenbefalls erheblich sein können und einige Hundemilben außerdem auf den Menschen übergehen können, sollte ein Befall beim Hund möglichst früh behandelt und der Parasit gründlich entfernt werden.
Häufige Milbenarten bei Hunden
Bei Hunden gibt es unterschiedliche Milben. Besonders oft treten diese Arten auf:
- Grabmilben: Von Frühjahr bis Herbst bohren sie sich in die Haut und legen dort Eier ab. Diese Art, auch „Sarcoptes-Milben“ genannt, verursacht die „Sarcoptes- oder Fuchsräude“, eine Hauterkrankung mit Knötchen, Schuppen und Pusteln.
- Grasmilben: Diese Milbenart befällt Hunde vor allem im Spätsommer und Herbst und wird deshalb auch Herbstgrasmilbe genannt. Sie sitzt auf Pflanzen und Gräsern, von wo aus der Hund sie beim Vorbeigehen aufnimmt.
- Haarbalg- oder Demodexmilben: Mit dieser besonders hartnäckigen Milbenart stecken sich viele Tiere bereits als Welpen beim Säugen an. Daraus kann die schwere Hautkrankheit Demodikose entstehen.
- Nasenmilben: In Deutschland werden nur einzelne Fälle beobachtet. Besonders verbreitet ist diese Milbenart in Skandinavien.
- Notoedres-Milben: Sie befallen hauptsächlich Katzen, können aber auch Hunde, Füchse oder Kaninchen befallen. Im Vergleich zu anderen Gattungen kommen sie selten vor.
- Ohrmilben: Sie gelten als häufigste Ursache einer Ohrentzündung bei Hunden. Welpen sind öfter betroffen als erwachsene Tiere.
- Pelzmilben: Diese Milbenart tritt oft bei Hunden auf, die im Zwinger leben. Viele Tiere stört der Befall kaum, bei anderen führt er zu Juckreiz.
Je nach Milbenart zeigt der Hund andere Beschwerden. Auch die Behandlung kann sich je nach Befall unterscheiden.
Milbenbefall beim Hund erkennen
Die Anzeichen eines Milbenbefalls sind nicht immer klar, deshalb lässt sich das Problem nicht in jedem Fall sofort erkennen. Ein Tierarzt oder eine Tierärztin sollte aber hinzugezogen werden, wenn:
- der Hund sich ständig kratzt oder mit den Zähnen am Fell knabbert,
- der Hund immer wieder den Kopf schüttelt oder schräg hält,
- auf der Haut Rötungen, Krusten, Falten oder Pusteln sichtbar werden,
- sich Schuppen im Fell zeigen,
- dem Hund Fell ausfällt und kahle oder blutige Stellen entstehen,
- Augen und Nase „umrandet“ wirken, weil das Fell dort abgerieben ist.
Welche Beschwerden auftreten, hängt davon ab, welche Milbenart den Hund befallen hat. Milben im Ohr verursachen meist heftigen Juckreiz, sodass der Hund sich wiederholt mit der Pfote am Ohr kratzt und den Kopf schüttelt. Hängt das Ohr schon herab und reagiert das Tier empfindlich auf Berührungen, kann bereits eine Entzündung vorliegen. Im Gehörgang fallen dann krümelige braun-schwarze Punkte auf, die wie Kaffeesatz aussehen.
Grasmilben lassen sich von Halter oder Halterin oft über ihr Aussehen erkennen: Die Larven saugen sich an der Haut fest und erscheinen als winzige orangefarbene oder rostrote Punkte, besonders zwischen den Zehen, am Maul, an den Augen oder im Ohr.
Pelzmilben wirken wie kleine Hautschuppen, die sich im Fell bewegen. Die Eier der Milben sind mit bloßem Auge nicht zu sehen.
Meist auffällig sind bei einem Befall jedoch weniger die Milben selbst als die Veränderungen der Haut: Vor allem an Nase, rund um die Augen, an Ellbogen, Pfoten und Bauch entstehen Rötungen, Schuppen und kahle Bereiche. Besonders ausgeprägt sind diese Beschwerden bei Grabmilben und der dadurch ausgelösten Sarcoptes-Räude. Durch das viele Kratzen verkrustet die Haut mit der Zeit stellenweise oder wird sogar blutig, außerdem kann Fell ausfallen.
Milben beim Hund richtig behandeln
Was hilft bei Milben? Für Laien ist kaum sicher zu unterscheiden, ob tatsächlich Milben hinter den typischen Beschwerden stecken oder etwas anderes. Deshalb sollte ein Hund mit den genannten Anzeichen unbedingt einem Tierarzt vorgestellt werden. Bis eine Diagnose feststeht, sollte das Tier keinen Kontakt zu anderen Hunden haben.
Meist erkennt der Tierarzt rasch, welche Milbe den Hund befallen hat. Bleibt nach der ersten Untersuchung offen, um welchen Parasiten es sich handelt, schabt er vorsichtig mit einer Klinge etwas Material von der Haut ab und betrachtet die Probe anschließend unter dem Mikroskop.
Für die Behandlung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bewährt haben sich zum Beispiel spezielles Shampoo zur Behandlung von Grasmilben oder anderen Milbenarten sowie Medikamente, die innerlich wirken, etwa Tabletten. Häufig genutzt werden außerdem sogenannte Spot-On-Präparate. Dabei handelt es sich um flüssige Mittel mit Anti-Milben-Wirkstoffen, die über die Haut aufgenommen werden, in die Blutbahn gelangen und dann im ganzen Körper wirken.
Damit der Hund das Präparat nach dem Auftragen nicht ablecken kann, sollte es am besten ins Nackenfell oder zwischen die Schulterblätter gegeben werden. Dort kommt die Zunge des Hundes kaum hin. Welche Dosis für welchen Hund passt, entscheidet der Tierarzt. Wichtig ist zudem, das Mittel nicht einfach auf das dichte Fell zu geben, sondern mit den Fingern einen „Scheitel“ im Nacken zu ziehen und es direkt auf die Haut zu träufeln. Anschließend sollten die Hände gewaschen werden.
Bei Ohrmilben kommen Salben, Spülflüssigkeiten oder Tinkturen zum Einsatz. Die meisten Präparate gegen Milben müssen über mehrere Wochen angewendet werden, damit auch frisch geschlüpfte Parasiten erfasst werden. Wie lange die Behandlung genau dauert, richtet sich nach dem Befall und dem eingesetzten Medikament – dazu kann der Tierarzt oder die Tierärztin beraten.
Außerdem kann er Hinweise geben, wie du den Schlafplatz des Hundes, Spielzeug, Decken oder auch das Auto reinigen solltest, um lebende Milben und Eier zu beseitigen. Zusätzlich kann er Mittel gegen Juckreiz und Entzündung verabreichen. In manchen Fällen – wenn auf der bereits geschädigten Haut sogenannte Sekundärinfektionen durch Bakterien entstanden sind – werden Antibiotika nötig.
Hausmittel gegen Milben beim Hund
Viele Halterinnen und Halter möchten Milben am liebsten mit „natürlichen Mitteln“ oder Hausmitteln bekämpfen. Bei Ohrmilben werden etwa Seifenlösungen mit Echinacea oder Calendula genannt, bei Grasmilben Hausmittel wie Apfelessig oder Kokosöl. Solche Mittel sollten aber vorsichtig eingesetzt werden, denn ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich meist nicht belegt. Das heißt, dass sie die Milben im Zweifelsfall nicht abtöten und eine Behandlung nur mit Hausmitteln die Heilung unnötig verzögert.
Zudem kann es gefährlich für den Hund werden, wenn Laien mit Hausmitteln im Ohr experimentieren. Bevor solche Mittel überhaupt verwendet werden, sollte der Tierarzt zur Wirksamkeit befragt werden. Unter Umständen können manche Hausmittel, etwa bestimmte pflanzliche Tinkturen oder Essig, die medikamentöse Behandlung ergänzen.
Wurden die Milben mit speziellen Mitteln vom Tierarzt erfolgreich beseitigt, können Hausmittel die Regeneration der geschädigten Haut unterstützen, etwa in Form von Vitaminen im Futter. Manche Halterinnen und Halter setzen zum Beispiel auf Distelöl oder rohes Eigelb, damit sich die Haut schneller erholt.
Sind Milben vom Hund auf Menschen übertragbar?
Wenn Hund und Mensch engen Kontakt haben, kann es vorkommen, dass Milben vom Hund auf den Menschen übergehen. Allerdings eignet sich nicht jede Milbenart für den Menschen als Wirt: Haarbalg- oder Demodexmilben befallen Menschen in der Regel nicht, Ohrmilben ebenfalls nicht. Pelzmilben können dagegen auch beim Menschen Hautentzündungen und Juckreiz auslösen, und die Sarcoptes- oder Grabmilbe verursacht die sogenannte Pseudokrätze. Herbstgrasmilben befallen Menschen zum Beispiel bei der Gartenarbeit oder beim Wandern und führen dann zur sogenannten Erntekrätze.
Hat ein Hund Milben und entwickeln Besitzer oder andere Kontaktpersonen Juckreiz und Hautreaktionen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Grasmilben beim Hund vorbeugen
Grasmilben vorzubeugen ist nicht einfach, wenn der Hund im Spätsommer und Herbst durch Gebüsch und Gras läuft. Manche Halterinnen und Halter verwenden Kokosöl und massieren es ins Fell ein. Ob und wie lange das tatsächlich hilft, ist jedoch nicht belegt. Wenn du wirksam vorbeugen möchtest, solltest du den Tierarzt nach speziellen Spot-On-Präparaten oder Halsbändern fragen und den Kontakt zu infizierten Hunden möglichst vermeiden.
Wichtig ist außerdem ein stabiles Immunsystem des Hundes – unterstützt durch ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und eine artgerechte Haltung.
Quellen:
- Daubenmerkl, Wolfgang: Tierkrankheiten und ihre Behandlung – Hund, Katze, Pferd, Schwein, Rind; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart; 4. Auflage 2020
- Schrey, Christian: Leitsymptome und Leitbefunde bei Hund und Katze, Differenzialdiagnostischer Leitfaden; Georg Thieme Verlag KG; 4. Auflage 2019
- Online-Information Dr. Hölter: www.drhoelter.de; Abruf: 31/05/2021
- Online-Information Kleintierklinik S: www.kleintierkliniks.ch; Abruf: 31/05.2021
- Online-Information Tierarzt in Kropp: www.tierarzt-in-kropp.de; Abruf: 31/05/2021
- Online-Information Tierschutzliga: tierschutzliga.de; Abruf: 26/05/2021
- Online-Informationen Bundesverband für Tiergesundheit e. V.: www.bft-online.de; Abruf: 27/05/2021
Von Sina Horsthemke
Das Original zu diesem Beitrag "Milben bei Hunden" stammt von FOCUS Tierarzt.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Wenn Symptome anhalten, sich verschlimmern oder du unsicher bist, wende dich bitte an eine Tierarztpraxis.
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