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Alternativverhalten aufbauen

Impulskontrolle beim Hund: 5 Übungen gegen Bellen, Jagen und Co.

Erschien in Kooperation mit
Ein Hund soll lernen, seine Impulse zu kontrollieren – etwa das Jagen von Vögeln.
Ein Hund soll lernen, seine Impulse zu kontrollieren – etwa das Jagen von Vögeln. Getty Images/ChrisClode
Impulskontrolle hilft deinem Hund, Reizen zu widerstehen. Mit einfachen Übungen trainierst du Ruhe, Rückruf und Selbstbeherrschung im Alltag.

Was bedeutet Impulskontrolle beim Hund genau?

Hunde erleben ihre Umgebung anders als wir: Schon auf einer normalen Gassirunde prasseln unzählige Eindrücke auf sie ein. Kann dein Hund seine spontanen Reaktionen darauf nicht steuern, wird das schnell anstrengend für euch. Schafft er es hingegen, bei einem bestimmten Auslöser nicht loszubellen oder loszurennen, beschreibt das ziemlich genau, was mit Impulskontrolle beim Hund gemeint ist: Statt dem Reiz zu folgen, zeigt er ein bewusst aufgebautes Alternativverhalten.

Gelingende Impulskontrolle verhindert, dass dein Hund unerwünscht bellt, jagt oder schnappt. Er bleibt gelassen, konzentriert sich auf dich und lässt sich von seiner Umgebung nicht aus der Ruhe bringen. Und an Auslösern mangelt es nicht: Jogger, Fahrräder, Paketboten, Wildtiere, andere Hunde, unbekannte Menschen, vermeintliche Futterreste sowie allerlei Geräusche und Gerüche.

Fehlt diese Kontrolle, gibt dein Hund seinen Impulsen nach, rennt etwa einem Jogger hinterher, hetzt einem Kaninchen nach oder frisst Essensreste vom Boden. Funktioniert seine Impulskontrolle, unterbindet er diesen Drang und ersetzt ihn durch ein anderes Verhalten: Er bleibt bei dir, läuft an lockerer Leine, setzt sich, legt sich hin oder reagiert zuverlässig auf Rückruf oder Pfiff.

Ob beim Zusammentreffen mit anderen Hunden oder Menschen – Impulskontrolle ist entscheidend, damit Zusammenleben und Begegnungen stressarm bleiben. Kommen Freunde zu Besuch oder gehen Passanten nah an euch vorbei, ist es für alle angenehmer, wenn dein Hund sich dabei beherrschen kann.

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Impulskontrolle trainieren: effektive Übungen für Hunde

Damit Impulskontrolle verlässlich klappt, braucht es eines vor allem: wiederholtes Üben. Beständiges Training und klares, konsequentes Korrigieren erleichtern euch das gemeinsame Leben deutlich. Dein wichtigstes „Werkzeug“ beim Training der Impulskontrolle sind Leckerlis oder Futter, denn über Belohnung verknüpfen Hunde neues Verhalten am schnellsten.

Hilfreich ist außerdem der Besuch einer Hundeschule, in der du dir Anregungen und Begleitung durch Fachleute holen kannst. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Übungen und Spiele zur Impulskontrolle, die du selbstständig mit deinem Hund ausprobieren kannst:

Übung 1: Leckerli widerstehen und Selbstbeherrschung lernen

Als Einstieg bietet sich eine einfache Übung mit einem Leckerli auf deiner geöffneten Handfläche an. Dein Hund soll lernen, dieser Versuchung standzuhalten. Versucht er, danach zu schnappen, schließt du sofort die Hand. Es ertönt ein klares „Nein“ des Halters. Erst wenn er begriffen hat, den Impuls zu unterdrücken, bekommt er das Leckerli mit einem bestätigenden „Nimm“ als Belohnung. Entscheidend ist, dass er es erst frisst, nachdem du es ihm erlaubt hast. Im nächsten Schritt kannst du nach und nach die Wartezeit verlängern.

Übung 2: Sitz oder Platz als ruhige Grundposition

Für eine stabile Impulskontrolle muss dein Hund wissen, in welcher Körperhaltung er bleiben soll. Dafür eignen sich Kommandos wie Sitz oder Platz. Er verknüpft sie mit deinem Signalwort und einer eindeutigen Geste, beispielsweise einem erhobenen Zeigefinger oder einer flachen Hand.

Wesentlich ist, dass dein Hund Sitz oder Platz mit einem „Bleib“ verbindet. Er soll die Position halten, statt seinem spontanen Drang zu folgen. Gelingt ihm das auch nur für einen kurzen Moment, folgt unmittelbar ein Leckerli als Bestätigung. So kannst du ihm beibringen, dass er auch dann in der Position bleiben soll, wenn du dich von ihm entfernst. Mit der Zeit lässt sich der Abstand immer weiter vergrößern.

Übung 3: Ablenkungen ignorieren und bei dir bleiben

Im nächsten Schritt bietest du deinem Hund bewusste Reize, die er ausblenden soll. Das kann eine Person sein, die ihn ruft, ein wegrollendes Spielzeug oder ausgelegtes Futter. Ablenkung durch andere Hunde kannst du gemeinsam mit vertrauten Haltern und deren Tieren üben. Für die Impulskontrolle ist wichtig, dass dein Hund dein Kommando über alle anderen Reize stellt und trotz Versuchung in seiner Grundposition bleibt.

Auch hier gilt: Zeigt dein Hund bereits einen kleinen Erfolg, bekommt er sofort ein Leckerli für seine gezeigte Impulskontrolle. Er muss erfahren, dass sich das Widerstehen lohnt. Optimal ist es, wenn Radfahrer oder Vögel irgendwann ganz an Bedeutung verlieren. Zeigt dein Hund jedoch unberechenbares oder aggressives Verhalten, solltest du nicht allein draußen experimentieren, sondern mit einer Hundetrainerin oder einem Hundetrainer auf einem sicheren Gelände arbeiten.

Übung 4: Alltagsreize draußen gelassen meistern

Dein Hund soll lernen, auch direkt aus einer Situation heraus einem Reiz zu widerstehen. Impulskontrolle muss also funktionieren, nicht nur wenn er schon in einer Grundposition verharrt, sondern auch dann, wenn du erst in dem Moment ein Kommando gibst – besonders wichtig, wenn er frei läuft.

Du musst deinen Hund dabei aufmerksam beobachten und frühzeitig erahnen, welche Reize gleich auftauchen. Entdeckst du am Horizont einen anderen Hund, Wasservögel oder spielende Kinder, rufst du deinen Hund rechtzeitig. Am günstigsten ist es, wenn dein Signal ertönt, bevor er sich anspannt, weil er den Reiz entdeckt hat. Sprich ihn dazu mit seinem Namen an oder nutze einen Pfiff.

Schafft dein Hund es nicht, den Auslöser von sich aus zu ignorieren, muss er spätestens auf dein Kommando hin abbrechen und wieder in eine entspannte Grundposition wechseln – selbst dann, wenn er schon losgestürmt ist. Auch hier gilt: Bei Hunden, deren Verhalten schwer einzuschätzen ist, solltest du auf eigenständige Experimente verzichten.

Übung 5: Ruhiges Verhalten in der Wohnung einüben

In der Wohnung beziehen sich Impulse weniger auf Jagen oder Fressen, sondern häufig auf Bellen oder Beißen. Hier verteidigt dein Hund sein Zuhause oder sein „Rudel“, also deine Familie. Auslöser können bereits Klingeln, Straßenlärm oder Besuch sein.

Dein Hund soll nach und nach lernen, in solchen Situationen ruhig zu bleiben und sein Körbchen aufzusuchen oder dort zu bleiben. Am besten funktioniert das mit geplanten Übungssituationen. Ihr simuliert zum Beispiel einen Besuch: Es klingelt, und dein Hund soll auf Kommando in seinen Korb gehen und dort ruhig bleiben. Zeigt er dieses Verhalten auch nur kurz, bekommt er direkt ein Leckerli. Klappt das Training mit dem Klingeln, kann der Besuch nach und nach mit in die Wohnung kommen – erst in den Flur, während dein Hund noch im anderen Zimmer bleibt. Bei Hunden mit ausgeprägter Aggression sollten solche Übungen nur angeleitet erfolgen.

Impulskontrolle und Frustrationstoleranz verstehen

Impulskontrolle und Frustrationstoleranz hängen beim Hundetraining eng zusammen. Training bedeutet – wie bei uns Menschen – immer auch Durchhaltevermögen. Ist dein Hund frustriert, weil er etwas nicht darf, das seinem inneren Antrieb entspricht, stellt sich die Frage: Wie lange hält er dieses Gefühl aus, wie ausgeprägt ist seine Frustrationstoleranz?

Um diese zu stärken, hilft es nicht, alle frustrierenden Situationen zu vermeiden. Im Gegenteil: Dein Hund muss üben, mit Frust umzugehen. Ideal ist es, wenn er eine Situation gar nicht mehr als frustrierend empfindet. Deshalb ist die Belohnung mit Futter und Leckerlis beim Training der Impulskontrolle so bedeutsam.

Gleichzeitig darf dein Hund beim Üben der Impulskontrolle jedoch nicht überfordert werden. Um seine Frustrationstoleranz möglichst hoch zu halten, eignen sich zu Beginn kurze Einheiten von wenigen Minuten mit nur zwei bis drei Wiederholungen pro Übung. Dauer und Anzahl der Durchgänge kannst du später langsam steigern.

Wichtig: Das Training sollte immer mit einem Erfolgserlebnis enden, also mit einer Übung, die deinem Hund gelingt. Danach folgt ein Leckerli. Beende eine Einheit lieber etwas früher, solange er noch aufmerksam ist, statt zu lange weiterzumachen, bis nichts mehr klappt. Sonst sinkt seine Frustrationstoleranz beim Training der Impulskontrolle deutlich. Die Folge: Dein Hund hat auch in Zukunft wenig Motivation, weiter an diesen Übungen zu arbeiten.

Faktoren, die die Impulskontrolle deines Hundes prägen

Die Fähigkeit zur Impulskontrolle ist beim Hund ein vielschichtiges Zusammenspiel verschiedener Einflüsse. Dein Hund ersetzt dabei ein spontanes, meist instinktives Verhalten durch ein erlerntes. Der zugrunde liegende Impuls kann angeboren sein, aber auch durch Zucht, Temperament, gesundheitliche Probleme, Charakter oder gemachte Erfahrungen geprägt werden.

Folgende Punkte können die Impulskontrolle deines Hundes beeinflussen:

  • Hyperaktivität: Das Phänomen der Hyperaktivität beim Hund wird noch untersucht und ist umstritten. Einige Stimmen ordnen Hunden ebenso eine mögliche ADHS, also ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, wie dem Menschen zu. Damit würde eine Hyperaktivität und der Drang zur unbedingten Bewegung einhergehen. Diese bewirken eine erschwerte bis unmögliche Impulskontrolle bei einem hyperaktiven Hund. Andere Expertinnen und Experten denken, dass sich dahinter eher ein falsch erlerntes Verhalten, eine Unterforderung, oder andere Faktoren, wie eine falsche Ernährung mit zu viel Proteinen, verstecken, die eine Hyperaktivität hervorrufen.
  • Alter: Je jünger der Hund, desto besser und schneller lernt er die Impulskontrolle. Zwar haben gerade junge Hunde enorm viel Energie, aber diese lässt sich auch sehr gut in die Übungen und Spiele einbinden, mit denen die Impulskontrolle beim Hund trainiert werden soll. Welpen sind noch neugierig, zu lernen. Aber nicht verzagen, auch ältere Hunde können dazu lernen oder es gelingt zumindest, den Impuls abzuschwächen.
  • Rasse: Hundearten reagieren abhängig von ihrem ursprünglichen Einsatzgebiet unterschiedlich auf Reize. Die Impulse sind nicht rein der Genetik zuzuordnen. Aber: Ein Jagdhund will immer jagen, ein Hütehund immer beschützen. Jagdhunde sind besonders anfällig für Wild, Vögel, aber auch vermeintlich flüchtende Menschen – wie Radfahrer oder Jogger. Mit Jagdhunden gilt es, besonders viel zu trainieren. Für Mitmenschen ist es meist wichtig, dass besonders große Rassen Impulskontrolle beherrschen. Denn sie werden oft als gefährlich wahrgenommen. Viele Hundehalterinnen und -halter glauben, dass sogenannte Schoßhündchen, kein Training zur Impulskontrolle beim Hund brauchen. Das ist falsch: Auch sie können nervtötend Artgenossen und Menschen verbellen oder auf Angriff gehen. Auch ihr Spiel kann aufdringlich sein und sie fressen Dinge in der Natur, die eine Gefahr bergen können.
  • Vorgeschichte: Wer einen Hund nicht als Welpen zu sich nimmt, sollte dessen Vergangenheit so gut wie möglich kennen. Jeder Hund ist ein Individuum. Bei jedem funktioniert die Impulskontrolle anders. Es gibt Hunde, die sehr auf die Halter und Halterinnen fixiert sind. Andere Hunde haben Probleme mit Artgenossen, wieder andere fressen, was immer sich bietet oder bellen beim kleinsten Geräusch. Das kann eine Frage der persönlichen Entwicklung sein. Deshalb ist es wichtig zu wissen, ob der Hund grundsätzlich an Training gewohnt ist, oder ob er aggressiv ist, und aufgrund früherer schlechter Erfahrungen schnell beißt. Ist er ängstlich oder beschützt er seine Lieben, komme, was da wolle?
  • Krankheit: Auch Erkrankungen können dazu führen, dass die Impulskontrolle beim Hund nicht mehr funktioniert. Dazu gehören Krankheiten wie Epilepsie, Staupe, Borreliose, Tollwut oder eine Schilddrüsenunterfunktion, bei denen ein Tier jedwede Kontrolle verlieren kann. Deshalb ist ein regelmäßiger Austausch mit dem Tierarzt oder der Tierärztin wichtig, um einer fehlenden Impulskontrolle beim Hund auf den Grund zu gehen.
     

Quellen:

  • Ackermann, Franziska: Impulskontrolle durch Intelligenzspiele; BSR; 1. Auflage 2022
  • Sommer, Miriam: Impulskontrolle und Frustrationstoleranz bei Hunden; BM Verlag; 1. Auflage 2022
  • Wittner, Benedikt: Souveräne Impulskontrolle bei Hunden; TenBook; 1. Auflage 2021
  • Online-Informationen Martin Rütter: www.martinruetter.com; Abruf: 04.01.2023
  • Online-Informationen BHV: .; Abruf: 04.01.2023 www.hundeschulen.de; Abruf: 04.01.2023
  • BHV, Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e. V., Infomaterial: Impulskontrolle – Ursachen, Auswirkungen, Training; Stand: 28.10.2017
     

Von Sven Hasselberg - Journalist und Autor

Das Original zu diesem Beitrag "Impulskontrolle beim Hund" stammt von FOCUS Tierarzt.