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Expertin gibt Ernährungstipps

Getreide für Hunde und Katzen: Darum ist es besser als sein Ruf

Hund und Katze fressen: Der Trend geht zur getreidefreien Ernährung – aber nicht zurecht.
Hund und Katze fressen: Der Trend geht zur getreidefreien Ernährung – aber nicht zurecht. Liesa Wölm/FLUX 2 Pro (Dieses Bild ist KI-generiert)
Getreidefrei füttern liegt im Trend. Eine Expertin erklärt, ob und wann der Verzicht sinnvoll ist und was Hunde und Katzen wirklich brauchen.

Getreide ist reich an wertvollen Nährstoffen und zudem Kalorienlieferant. Hunde haben sich im Zuge der Evolution an unsere Ernährungsgewohnheiten angepasst und können Getreide sehr gut verwerten (viel besser als der Wolf), ebenso Katzen.

Verzichtest du gänzlich auf Getreide oder generell auf Kohlenhydrate wie zum Beispiel Kartoffeln, muss der Kalorienbedarf des Tieres allein über Eiweiß und Fett gedeckt werden. Somit ist eine getreide- bzw. kohlenhydratfreie Fütterung zwangsläufig proteinreich und fettreich. Dies kann unter Umständen auch negative Folgen für die Gesundheit haben und bei Tieren mit Harnsteinen, Erkrankungen von Nieren, Leber oder der Bauchspeicheldrüse sogar kontraindiziert sein.

Dr. Susanne Schumacher spezialisiert sich seit ihrem Tiermedizinstudium an der LMU München auf Ernährungsberatung und klinische Diätetik für Tiere. Seit 2009 arbeitet sie an der Tierklinik Oberhaching. Sie ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen ihre persönliche Auffassung auf Basis ihrer individuellen Expertise dar.

Wann ein Verzicht auf Getreide wirklich sinnvoll ist

Hingegen gibt es nur wenige und selten auftretende Erkrankungen, wo der Verzicht auf Getreide tatsächlich angezeigt ist. Selbst bei Tumorerkrankungen oder bei einem Befall mit bestimmten Parasiten (Giardien) ist eine gänzlich kohlenhydratfreie Ernährung auf Dauer nicht zu empfehlen, wenngleich dies oft beworben wird.

Bei Tumorerkrankungen allerdings können kohlenhydratreiche Rationen tatsächlich die Erkrankungen triggern, da Tumorzellen Kohlenhydrate bevorzugt verstoffwechseln. Keinesfalls sollte aber nun im Umkehrschluss daraus gefolgert werden, dass Getreide Krebs verursacht, wie es in wenig seriösen Beiträgen postuliert wird. „Kein Mensch“ erkrankt an Krebs nach regelmäßigem Verzehr von Reis mit Gemüse. Ebenso wenig dein Hund oder deine Katze nach der Aufnahme von Getreide.

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Getreidefreies Futter und mögliche Gesundheitsrisiken

Eine getreidefreie Fütterung scheint zudem mit dem gehäuften Auftreten einer bestimmten Herzerkrankung assoziiert zu sein, insbesondere bei einigen Rassen. Allerdings existieren derzeit verschiedene Hypothesen, die Kausalität ist noch nicht erwiesen. Möglicherweise könnten auch Nahrungsmittel, die als „Getreideersatz“ in getreidefreien Futtermitteln eingesetzt werden, ursächlich eine Rolle spielen.

Löst Getreide bei Haustieren häufiger Allergien aus?

Zudem birgt Getreide keineswegs ein höheres Allergierisiko als andere Futterkomponenten: Jedes Futtermittel – insbesondere die verwendete Eiweißquelle/Fleischsorte – kann eine Allergie auslösen, sofern Kontakt bestanden hat.

Tierwohl, Umwelt und Proteinbedarf richtig einordnen

Und möchtest du nicht auch zu Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz beitragen? Wenngleich Hunde und Katzen einen vergleichsweise hohen Proteinbedarf haben, birgt es keinen gesundheitlichen Benefit, diesen um ein Mehrfaches zu überschreiten, wie es nicht selten mit getreide- oder kohlenhydratfreien Fütterungsformen gegeben ist. Ebenso mit klassischen Barf-Rationen. Lass uns auch an das Wohl der Nutztiere denken.

Warum getreidefrei nicht automatisch besser ist

Es scheint derzeit leider und zu Unrecht ein „Qualitätskriterium“ zu sein, wenn ein Futtermittel als getreidefrei oder auch als glutenfrei ausgewiesen ist. Ähnlich dem Label laktosefrei: Wenn keine Laktoseunverträglichkeit vorliegt, ist es auch nicht erforderlich, laktosefreie Lebensmittel zu verwenden.

Getreide und Gluten: Das ist der Unterschied

Getreide ist nicht gleichzusetzen mit Gluten, gelegentlich wird das verwechselt. Eine Glutenunverträglichkeit kommt bei uns Menschen vor, bei unseren Haustieren ist diese jedoch ausgesprochen rar. Es gibt nur sehr selten auftretende Erkrankungen, bei denen eine glutenfreie Ernährung indiziert ist.

Reis, Mais und Hirse zählen zu den glutenfreien Getreidesorten; Weizen, Roggen und Gerste hingegen enthalten Gluten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Unsere Haustiere dürfen somit (mit sehr wenigen Ausnahmen) Getreide genießen – weshalb sollte ein getreidebasiertes Gericht nur für uns Menschen gesund sein? Vom Gemüse-Risotto dürfte also gerne genascht werden.

Getreide richtig zubereiten für Hunde und Katzen

Wichtig ist für unsere Haustiere allerdings, dass die Stärke ausreichend aufgeschlossen ist, daher sollten Getreide und generell Kohlenhydrate stets eine Viertelstunde länger gekocht werden als für unseren Verzehr und nicht roh gegeben werden. Auch voraufgeschlossene Flocken eignen sich (nach Einweichen) sehr gut zur Fütterung.

Ist Getreide nur ein billiger Füllstoff?

Es scheint ein Irrglaube zu sein, „je höher der Proteingehalt und je geringer der Getreideanteil, desto besser ist das Futter“. Und ein Mythos, Getreide sei lediglich ein „billiger Füllstoff“. Selbstverständlich aber soll und muss das Futter für unsere Haustiere einen gewissen Protein- oder Fleischanteil enthalten zur Deckung des Bedarfs. Übrigens sind auch Ei und Milchprodukte in Maßen wertvolle Eiweißlieferanten.

Viele Alleinfuttermittel enthalten ausgewogene Anteile an Protein, Fett und auch Kohlenhydraten/Getreide und sind zudem mit allen essenziellen Mineralstoffen und Vitaminen ergänzt.

Individuelle Futterration für Hund und Katze erstellen

Falls du das Futter selbst zubereiten oder kombinieren möchtest, hilft dir gerne ein auf Ernährung und Diätetik spezialisierter Tierarzt/eine spezialisierte Tierärztin bei der Erstellung einer individuellen Ration für deinen Hund oder für deine Katze.