Wäller: Aktiver Familienhund mit Aussie-Power – passt er zu dir?
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Der Wäller ist eine noch junge, deutsche Hütehundrasse aus dem Westerwald, die gezielt aus Briard und Australian Shepherd entwickelt wurde. Ziel war ein gesunder, wesensfester Familien- und Sporthund mit viel „Will to please“, aber ohne extreme Showmerkmale oder enge Inzucht. In der Praxis erlebst du einen mittelgroßen, intelligenten, sehr menschenbezogenen Hund mit ausgeprägtem Bewegungsdrang, hoher Lernfreude und robustem Wesen. Optisch sind Wäller echte Unikate: von glatt bis zottelig, von einfarbig bis merle, mit oder ohne Bart – Größe und Proportionen sind relativ einheitlich, das Fell dagegen extrem variabel. Die Rasse gilt als gut erziehbar und auch für motivierte Einsteiger geeignet, verlangt aber konsequente Führung, viel Beschäftigung und regelmäßige Fellpflege. Der Wäller wurde in Deutschland aus Briard und Australian Shepherd aufgebaut und ist bislang nicht von der FCI anerkannt.
Wäller
- Herkunft: Deutschland (Westerwald)
- Kreuzung (optional): Briard × Australian Shepherd
- Größe (ausgewachsen): ca. 50–65 cm Schulterhöhe
- Gewicht: etwa 26–30 kg
- Fell: mittellang bis lang, glatt bis gewellt/zottelig, mit leichter Unterwolle
- Farben: Beige, Blau, Braun, Creme, Grau, Rot, Schwarz, Weißanteile; auch Merle- und Scheckvarianten
- Charakter: fröhlich, menschenbezogen, lernfreudig, bewegungsfreudig
- Für Allergiker geeignet: nein
- Lebenserwartung: ca. 12–14 Jahre
- Pflegeaufwand: mittel bis hoch
- Bewegungsbedarf: hoch
Herkunft und Zuchtziel: Wie der Wäller entstand
Der Name „Wäller“ kommt vom Westerwald, dessen Bewohner im Volksmund ebenfalls so heißen. Die Zucht begann erst 1994 mit einem klaren Ziel: ein agiler, gesunder Familien- und Begleithund mit guter Eignung für Sport und Alltag, ohne die rassetypischen Gesundheitsprobleme vieler Modehunde.
Als Ausgangsrassen dienen vor allem:
- Briard (französischer Hütehund, langhaarig, familienbezogen, kinderlieb)
- Australian Shepherd (amerikanischer Hütehund, sehr intelligent, sportlich, meist arbeitsbetont)
Anders als bei vielen Rassen, bei denen stark auf ein bestimmtes Schönheitsideal hingezüchtet wurde, steht beim Wäller die genetische Vielfalt im Vordergrund. Es werden regelmäßig Briards und Australian Shepherds eingekreuzt, um einen großen Genpool zu erhalten und Inzucht zu vermeiden. Der 1. Wäller-Club Deutschland hat eigene Zuchtrichtlinien etabliert und kontrolliert die Verpaarungen; eine FCI-Anerkennung besteht bewusst (noch) nicht, um unabhängig von Show-Trends zu bleiben.
Kurz: Der Wäller ist keine „Zufalls-Mix“, sondern eine gezielte Neuzüchtung mit Fokus auf Gesundheit und alltagstauglichen Charakter.
Aussehen und Größe: Jedes Tier ein Unikat
Weil der Schwerpunkt nicht auf Einheitlichkeit der Optik liegt, können Wäller sehr unterschiedlich aussehen. Trotzdem gibt es einen klaren Rahmen. Ein Wäller soll ein mittelgroßer, eleganter Hund mit ausgeglichenen Proportionen sein.
Rahmendaten:
- Widerristhöhe:
- Rüden etwa 55–65 cm
- Hündinnen etwa 50–60 cm
- Gewicht:
- Rüden ca. 27–30 kg
- Hündinnen ca. 26–29 kg
Der Körper ist schlank, aber nicht schmal, gut bemuskelt, mit geradem, festem Rücken und leicht gerundeter Kruppe. Die Brust ist eher tief als breit, die Rippen leicht gewölbt.
Fell:
- mittellang bis lang (Oberhaar mindestens ca. 7 cm)
- gerade, gewellt oder zottelig
- mäßig grob, mit leichter Unterwolle
- gewünschter Eindruck: „wuschelig“, dabei nicht filzig
Es gibt Wäller mit deutlich ausgeprägtem Bart und Augenbrauen (Briard-Einfluss) und solche ohne Bart (insbesondere bei stärkerem Aussie-Anteil). Alle Farben sind erlaubt, einschließlich Merle-Varianten; wichtig ist eine klare, intensive Farbgebung. Weiß darf nicht dominieren, Scheckungen und Abzeichen sind möglich.
Ohren können hängen oder kippen, müssen gut behaart sein und sollen maximal bis etwa zur halben Schädellänge reichen. Die Augen sind groß, leicht mandelförmig, in variierenden Farben, der Ausdruck aufmerksam und freundlich.
Optisch bekommst du beim Wäller keinen „Copy-and-Paste-Hund“, sondern einen Typ mit erkennbarer Linie und viel individueller Variation.
Charakter und Wesen: Der Wäller möchte gefallen
Der Wäller wird als fröhlich, lenkbar und eifrig beschrieben. Er besitzt einen ausgeprägten „Will to please“ – er möchte mit dir zusammenarbeiten, dir gefallen und ist in der Regel schnell zu motivieren. Gleichzeitig bringt er Energie, Neugier und eine gewisse Sensibilität mit.
Typische Eigenschaften:
- sehr menschenbezogen, familienorientiert
- verspielt, freundlicher Umgang mit Kindern bei guter Erziehung
- wachsam, ohne übertriebene Schärfe
- ausgeglichen, wenn körperlich und mental ausgelastet
- wenig träge, eher immer bereit für neue Aufgaben
Besonders wichtig: Der Wäller soll weder ängstlich noch aggressiv sein. Das Ziel der Zucht ist ein nervenstarker, sozial verträglicher Hund. Dennoch ersetzt dieses Zuchtziel keine Erziehung – auch ein Wäller kann unsicher oder überdreht werden, wenn er schlechte Erfahrungen macht oder dauerhaft unterfordert ist.
Im Alltag erlebst du meist einen lebensfrohen, kooperativen Hund, der dich überallhin begleiten möchte – solange es „gemeinsam etwas zu tun gibt“.
Haltung im Alltag: Wäller und Familie, Wohnung, andere Tiere
Als Familienhund ist der Wäller ausdrücklich gedacht. Er gilt als geduldig, tolerant und kinderlieb, sofern Kinder respektvoll behandelt werden und der Hund klar geführt wird. Er liebt es, mitten im Familienleben dabei zu sein, ist aber kein „Babysitter“ – Aufsicht und Regeln bleiben Pflicht.
Wohnform:
Ein Wäller kann in Haus mit Garten wie in einer größeren Wohnung leben. Entscheidend ist:
- genügend Bewegung (mind. 2 Stunden Aktivität pro Tag)
- geistige Auslastung (Training, Spiele, Aufgaben)
- klare Ruhezeiten, damit der Hund entspannen kann
Eine reine „Haltung im Haus“ ohne regelmäßige Outdoor-Aktivitäten ist für ihn ungeeignet; dafür ist sein Bewegungsdrang zu ausgeprägt.
Andere Tiere:
Bei guter Sozialisierung kommt der Wäller mit anderen Hunden meist gut zurecht. Er kann mit Katzen und anderen Haustieren zusammenleben, wenn er das im Welpenalter gelernt hat und Regeln klar sind. Sein Hütehund-Hintergrund kann sich in kontrollierendem Verhalten (z. B. Kinder „einsammeln“) zeigen, muss aber durch Erziehung in Bahnen gelenkt werden.
Alleinbleiben:
Der Wäller kann – sauber aufgebaut – einige Stunden allein bleiben, möchte aber generell viel bei seinen Menschen sein. Wer Vollzeit arbeitet, ohne Mitnahmemöglichkeit oder Betreuung, sollte sehr sorgfältig planen (z. B. Dogwalker, Familie, Homeoffice-Lösungen).
Für aktive Familien oder Paare, die ihren Hund konsequent erziehen und in ihr Leben integrieren, ist der Wäller ein sehr passender Mitbewohner.
Bewegung und Beschäftigung: Wie viel Auslauf braucht ein Wäller?
Der Wäller ist ein Hund mit hohem Bewegungs- und Beschäftigungsbedarf. Ein bis zwei ausgiebige Spaziergänge pro Tag plus zusätzliche Spiel- oder Trainingseinheiten sind eher Basis als Luxus.
Geeignete Aktivitäten:
- lange Spaziergänge, Wanderungen, Jogging- oder Fahrradrunden
- Agility, Mantrailing, Flyball, Obedience oder Rally Obedience
- Apportierspiele, Intelligenzspielzeug, Tricktraining
Du musst nicht jede Hundesportart auf Turnierniveau betreiben, aber dein Wäller sollte regelmäßig körperlich und geistig gefordert werden. Der Mix aus Australian Shepherd und Briard bringt viel Energie und Arbeitsfreude mit – beides will in sinnvolle Kanäle gelenkt werden, sonst sucht sich der Hund eigene Aufgaben.
Gut ausgelastet ist der Wäller draußen Powerpaket und drinnen Kuschelpartner – schlecht ausgelastet eher Wirbelwind auf vier Pfoten.
Erziehung: Gut erziehbarer Anfängerhund mit Temperament
Der Wäller gilt als leicht führbar und ist damit auch für motivierte Anfänger geeignet. Er ist intelligent, reagiert gut auf lobende, klare Ansprache und lernt schnell – was Training erleichtert, aber auch deine Konsequenz testet.
Erziehungsgrundlagen:
- früh an Alltagssituationen gewöhnen (Menschen, Tiere, Verkehr, Geräusche)
- Grundgehorsam (Sitz, Platz, Rückruf, Leinenführigkeit) sauber aufbauen
- Grenzen setzen, ohne Härte: liebevoll, aber bestimmt
- gewohnte Rituale und klare Regeln (z. B. wann gespielt wird, wann Ruhe ist)
Wie bei jedem Hüte-/Sporthund hilft dir eine Hundeschule, die mit belohnungsbasierten Methoden arbeitet. Wichtig ist, Überforderung zu vermeiden: Kluge Hunde wirken oft „fertig“, bevor die Grundlagen wirklich sitzen. Besser viele kurze, positive Trainingseinheiten als seltene „Bootcamps“.
Typische Herausforderungen:
- „zu freundlich für alle“: Wäller suchen gern Sozialkontakt, brauchen aber auch „Ignorier-Signal“
- hohe Bereitschaft zur Arbeit: kann bei Unterforderung zu Aufdringlichkeit führen
- schnelle Auffassungsgabe: merkt sofort, wenn Regeln einmal „nicht gelten“ und testet dann öfter
Wenn du Erziehung als Beziehungspflege verstehst und bereit bist, Zeit in sie zu investieren, belohnt dich der Wäller mit einer engen, gut steuerbaren Partnerschaft.
Gesundheit und Lebenserwartung: Genpool als Stärke
Durch den bewusst großen Genpool und das regelmäßige Einbringen von Briard- und Aussie-Linien gilt der Wäller als robust und vital. Er neigt insgesamt wenig zu typischen Zuchtkrankheiten und kann durchschnittlich etwa 12 Jahre alt werden – Einzelfälle bis 16 Jahre sind berichtet.
Mögliche Risiken:
- MDR1-Gendefekt (vom Australian Shepherd): Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Medikamenten
- erhöhte Neigung zu Katarakt (Grauer Star), ebenfalls ein Aussie-Erbe
Seriöse Wäller-Zuchtstätten lassen ihre Hunde auf relevante genetische Defekte testen und wählen eingangs gesunde, wesensfeste Zuchttiere. Trotzdem solltest du auf typische Vorsorge achten:
- regelmäßige Augenuntersuchungen
- tierärztliche Checks (inkl. Herz, Bewegungsapparat)
- gelenkschonende Bewegung im Wachstum
- schlankes Körpergewicht
Ein Wäller aus sorgfältiger Zucht, der vernünftig ernährt und bewegt wird, ist ein sehr langlebiger, belastbarer Hund mit überschaubarem Krankheitsrisiko.
Pflege: Fellpflege beim Wäller
Je nach Felltyp kann die Pflege beim Wäller von „moderat“ bis „zeitintensiv“ gehen. Grundsätzlich brauchst du Lust auf regelmäßiges Bürsten – besonders bei längerem, welligem oder zotteligem Fell.
Pflegepunkte:
- mindestens 1× pro Woche gründlich bürsten, bei langem Fell oder Fellwechsel häufiger
- nach Schlamm- oder Waldrunden Schmutz auskämmen, Kletten entfernen
- bei Bedarf einzelne Bereiche kürzen (Pfoten, Hinterhand, Bauch), um Verfilzungen vorzubeugen
Neben dem Fell solltest du:
- Krallen regelmäßig prüfen und bei Bedarf kürzen
- Ohren auf Verschmutzungen oder Rötungen kontrollieren
- Zähne mit geeigneten Snacks oder Zahnbürste pflegen
Baden ist selten nötig; normalerweise reicht es, Schmutz trocknen zu lassen und auszubürsten. Wer beim Wäller die Fellpflege ernst nimmt, wird mit einem gesunden, gut belüfteten Haarkleid belohnt – und hat weniger Haare im Haus.
Ernährung: Was frisst der Wäller?
Beim Futter ist der Wäller unkompliziert. Entscheidend ist Qualität, nicht der Markenname: Ein hoher Fleischanteil, wenige Zusatzstoffe und eine an Aktivität angepasste Menge sind der Schlüssel.
Fütterungstipps:
- 1–2 Mahlzeiten pro Tag bei normaler Belastung
- bei deutlich erhöhtem Sportpensum ggf. auf 3 Fütterungen aufteilen
- nie direkt vor intensiver Bewegung füttern (Magendrehungs-Risiko)
- Leckerli als Belohnung einplanen, aber in die Tagesration einrechnen
Auch Barfen (Rohfütterung mit Fleisch, Knochen, Gemüse) ist für Wäller geeignet, wenn du dich damit auskennst oder beraten lässt. Es bietet viele Vorteile für Muskulatur, Zähne und Haut, erfordert aber Zeit und Wissen.
Ein Wäller mit sportlicher Führung verbraucht viel Energie – die Kunst liegt darin, ihn gut versorgt, aber schlank zu halten.
Anschaffung: Wäller-Kauf, Preis und Tierschutz
Der Wäller ist eine seltene Rasse, deutlich stärker in Deutschland als im Ausland vertreten. Für einen Welpen aus dem 1. Wäller-Club Deutschland kannst du mit einem Preis von etwa 1.300–1.500 Euro rechnen.
Beim Kauf:
- wende dich an den 1. Wäller-Club Deutschland als Hauptansprechpartner
- besuche die Zuchtstätte, lerne Elterntiere und Aufzuchtbedingungen kennen
- lass dir Gesundheitsnachweise (Augen, ggf. MDR1, weitere Tests) zeigen
Wichtige Fragen:
- Wie werden die Welpen sozialisiert?
- Welche Sport- oder Arbeitseignung haben die Elterntiere?
- Welche Unterstützung bietet der Züchter nach der Abgabe?
Tierschutz und „Wäller-Mixe“:
Da der Wäller noch jung und selten ist, sind echte Wäller im Tierschutz eher selten. Es tauchen jedoch Mixe aus Aussie, Briard und anderen Hüte-/Sporthunden auf, die ein ähnliches Profil haben können. Hier zählt der individuelle Hund mehr als der Name: Du solltest dir Temperament, Energielevel und gesundheitliche Vorgeschichte genau erklären lassen.
Egal ob Züchter oder Tierschutz: Der Wäller-Typ gehört in Hände von Menschen, die wissen, was ein aktiver, kluger Hund im Alltag bedeutet.
Wäller und Allergien: allergikerfreundlich?
Spezielle Aussagen zur Allergikerfreundlichkeit gibt es für den Wäller nicht. Angesichts seines oft dichten, mittellangen bis langen Fells und des Haarwechsels ist er in der Regel kein idealer Hund für starke Hundehaarallergiker.
Wenn Allergien im Haushalt ein Thema sind:
- teste deine Reaktion im direkten Kontakt mit einem Wäller über längere Zeit
- kläre mit einem Allergologen, wie stark deine Sensibilisierung ist
Einige Wäller haaren durch wenig Unterwolle etwas weniger als andere Langhaarhunde, aber Allergene sitzen hauptsächlich in Hautschuppen und Speichel – nicht nur im Haar.
Fazit: Wäller – vielseitiger Familien- und Sporthund für Aktive
Der Wäller ist ein fröhlicher, intelligenter Hütehund-Typ, der Familienfreundlichkeit, Sportlichkeit und robuste Gesundheit in sich vereint. Er passt besonders gut zu aktiven Menschen und Familien, die ihren Alltag gern draußen verbringen, Freude an Training haben und bereit sind, Fellpflege und Erziehungsarbeit fest einzuplanen. Wer einen ruhigen Sofahund sucht oder kaum Zeit für Auslastung hat, wird mit dieser Rasse nicht glücklich. Wer sich dagegen auf seinen Bewegungsdrang, seinen „Will to please“ und seine Lernfreude einlässt, bekommt einen dankbaren, vielseitigen Partner, der mit dir wandert, joggt, spielt – und am Ende des Tages gerne mit dir auf dem Sofa einschläft.
Quellen: Wällerfreunde, zooplus Magazin